DIE BESTENLISTE 2018

Das neue Frauenbild

Es tut sich was: Unsere einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr.

STE­PHA­NIE CAS­PAR (45), Vor­stän­din Axel Sprin­ger. Neu­er­dings pre­digt CEO Ma­thi­as Döpf­ner den Se­gen von Frau­en im Ma­nage­ment. Seit März hat er erst­mals eine an sei­ner Sei­te. Cas­par lei­tet das Di­gi­tal­ge­schäft und die na­tio­na­len Print­mar­ken.

MA­NA­GE­RIN­NEN


BIR­GIT BEH­RENDT (59)

DIE BESTENLISTE 2018

Unter Techies

Fast je­des Wo­chen­en­de im Win­ter schnallt sich Su­san­ne Steidl (47) dün­ne Fel­le un­ter ihre Ski­er und stapft ei­nen Drei­tau­sen­der in den Al­pen hin­auf, um dann durch den Tief­schnee wie­der nach un­ten zu glei­ten. Sie brau­che das, da­mit sie den Kopf frei­be­kom­me. Als „en­er­gisch und dis­zi­pli­niert“ be­schreibt sich die drah­ti­ge Sport­le­rin selbst: Seit Ja­nu­ar 2018 ist sie Vor­stän­din von Wire­card, dem in der Nähe von Mün­chen an­säs­si­gen Fi­nanz­dienst­leis­ter.

Bei dem Dax-Kon­zern ist Steidl, die aus ei­nem Leh­rer­haus­halt stammt, nach CEO Mar­kus Braun (49) die zweit­wich­tigs­te Fi­gur. Das Un­ter­neh­men wi­ckelt elek­tro­ni­sche Zah­lun­gen zwi­schen Ver­käu­fern und de­ren Kun­den ab. Das Ge­schäfts­mo­dell ba­siert auf Soft­ware, die Steidl als Chief Pro­duct Of­fi­cer ver­fei­nert und di­ver­si­fi­ziert.

Je mehr Ab­neh­mer die Ma­na­ge­rin mit stan­dar­di­sier­ten Pro­duk­ten be­dient, des­to mehr brummt der La­den. Steidl, die 2006 zu Wire­card stieß, hat das US-Busi­ness an­ge­scho­ben, au­ßer für Nord- ist sie auch für Süd­ame­ri­ka ver­ant­wort­lich. Zu­dem küm­mert sie sich um die Di­gi­ta­li­sie­rung der in­ter­nen Ab­läu­fe und baut Soft­ware­ent­wick­lungs­zen­tren in al­ler Welt auf.

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Frau am Zug

In ih­rer Kar­rie­re war Sab­ri­na Sous­san (49) im­mer eine Aus­nah­me­er­schei­nung – und an­fangs ganz al­lein un­ter Män­nern. 1996 fuhr die zier­li­che Fran­zö­sin in Nord­schwe­den Re­nault-Wa­gen zum Test. „Wenn ich aus­stieg, schau­ten mich alle an: Wer ist das denn?“, er­zählt die heu­ti­ge Co-Che­fin der Sie­mens-Zug­s­par­te Mo­bi­li­ty in per­fek­tem Deutsch.

Nach In­ge­nieurs­ab­schluss und MBA fing die im fran­zö­si­schen Jura auf­ge­wach­se­ne Sous­san bei Re­nault am Mo­tor­prüf­stand an. Nach drei Jah­ren lock­te Sie­mens Au­to­mo­ti­ve sie aus dem un­ge­lieb­ten Pa­ris ins süd­fran­zö­si­sche Tou­lou­se, wo sie schnell Pro­jek­te für den US-Au­to­her­stel­ler Ford lei­te­te. Dann rief man sie in Re­gens­burg zu Hil­fe, dort droh­te ein Sie­mens-Pro­jekt für ei­nen Ford-Die­sel­mo­tor zu schei­tern.

Sie kam in der Ober­pfalz an, ohne ein Wort Deutsch zu spre­chen, und soll­te als 34-Jäh­ri­ge das Ent­wick­ler­team ("eine sehr männ­li­che, tra­di­tio­nel­le Um­ge­bung") in die Spur brin­gen. Das Pro­jekt ge­lang, die Kol­le­gen schenk­ten ihr zum Ab­schluss ein Dirndl.

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Zukunfts­schnei­derin

Marion Weissenberger-Eibl Die Innovationsexpertin leitet zwei Lehrstühle, ist Aufsichtsrätin und hat Einfluss in der Politik.

Wo kommt das Neue her? Die­se Fra­ge prägt das Le­ben von Ma­ri­on Weis­sen­ber­ger-Eibl (52). Mit gro­ßer En­er­gie be­ackert die Spit­zen­wis­sen­schaft­le­rin das wei­te Feld der In­no­va­ti­on. Der Lohn: In Wirt­schaft, Wis­sen­schaft und Po­li­tik wird sie glei­cher­ma­ßen ge­schätzt. In­no­va­ti­on, er­klärt sie, habe nicht nur den Zweck, neue Pro­duk­te und Ver­fah­ren zu ent­wi­ckeln: „Sie soll­te den ge­sell­schaft­li­chen Wohl­stand trei­ben.“

Seit elf Jah­ren lei­tet Weis­sen­ber­ger-Eibl das Fraun­ho­fer-In­sti­tut für Sys­tem- und In­no­va­ti­ons­for­schung (ISI) in Karls­ru­he. Sie ist ein Phä­no­men an Ämter­häu­fung, ne­ben dem sich Durch­schnitts­na­tu­ren schlag­ar­tig schwach und müde füh­len. Par­al­lel zur Tä­tig­keit am ISI hält sie den Lehr­stuhl für In­no­va­tions- und Tech­no­lo­gie-Ma­nage­ment am Karls­ru­her In­sti­tut für Tech­no­lo­gie (KIT). Sie sitzt im For­schungs­aus­schuss des Wis­sen­schafts­rats, di­ver­sen Stif­tungs­gre­mi­en und in Hen­ning Ka­ger­manns Aca­tech, dem Eli­te­klub aka­de­mi­scher Tech­nik­köp­fe. Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel be­rief sie in den Zu­kunfts­dia­log der Bun­des­re­gie­rung und in des­sen Nach­fol­ge­gre­mi­en. Was sie be­son­ders freut: „Mei­ne Idee öf­fent­lich ge­för­der­ter Ex­pe­ri­men­tier­räu­me, in de­nen ge­sell­schaft­li­che In­ter­es­sen­grup­pen ge­mein­sam die Aus­wir­kun­gen der Di­gi­ta­li­sie­rung er­kun­den kön­nen, wur­de in den Ko­ali­ti­ons­ver­trag auf­ge­nom­men.“

Weis­sen­ber­ger-Eibl fas­zi­niert die lang­fris­ti­ge Per­spek­ti­ve und das Aus­tüf­teln von Stra­te­gi­en da­für. Sie ar­bei­tet am liebs­ten in­ter­dis­zi­pli­när und mit ho­hem Pra­xis­be­zug. Ein Bei­spiel: Für Ba­den-Würt­tem­bergs Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann er­sinnt sie Stra­te­gi­en ge­gen den Fach­kräf­te­man­gel und für die Zu­kunft der hei­mi­schen Au­to­mo­bil­in­dus­trie.

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Global Player

E in Vor­mit­tag im De­zem­ber. Mar­ti­na Hund-Me­jean (58) hat be­reits den nächs­ten M&A-Deal dis­ku­tiert, Boni kal­ku­liert und ein Top­ma­na­ger­mee­ting vor­be­rei­tet – und es ist noch nicht mal Mit­tag. Ihre Tage sind oft in Vier­tel­stun­den ge­tak­tet. Die Frank­fur­te­rin ist nach CEO Ajay­pal Singh Ban­ga die zweit­wich­tigs­te Füh­rungs­kraft bei Mas­ter­card – und die wohl er­folg­reichs­te deut­sche Ma­na­ge­rin in den USA.

Als Vor­stand für Fi­nan­zen und Stra­te­gie ist die Volks­wir­tin und MBA-Ab­sol­ven­tin in alle wich­ti­gen Ent­schei­dun­gen des glo­ba­len Fi­nanz- und Tech­no­lo­gie­gi­gan­ten ein­ge­bun­den. Die Stra­te­gie­auf­sicht hat ihr Boss ihr bei ei­nem Sand­wich an­ge­tra­gen. „Ich steue­re nun die Pro­zes­se, mit de­nen wir Mas­ter­card in die Zu­kunft füh­ren.“

Der mit rund 200 Mil­li­ar­den Dol­lar Bör­sen­wert zweit­größ­te Kre­dit­kar­ten­kon­zern der Welt in­ves­tiert stark in da­ten­ge­trie­be­ne Ge­schäfts­fel­der. So stammt die Soft­ware für App­le Pay, mit der Kun­den per iPho­ne be­zah­len kön­nen, von Mas­ter­card. Auch in der Ent­wick­lung bio­me­tri­scher Au­then­ti­fi­zie­rungs­me­tho­den ist das Un­ter­neh­men ak­tiv.

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Die Denkerin

Elga Bartsch Die Topökonomin des Megainvestors BlackRock navigiert ihre Fondsmanager durch die Weltwirtschaft.

Es ist eine wei­te Rei­se von der Flens­bur­ger För­de bis an die Spit­ze des US-Fonds­gi­gan­ten Black­Rock, dem mit 6,4 Bil­lio­nen Dol­lar Kun­den­gel­dern größ­ten Ver­mö­gens­ver­wal­ter der Welt (und Teil­zeit­ar­beit­ge­ber von Fried­rich Merz). Doch ziel­be­wusst wie sie ist, zog es Elga Bartsch (52) schon in Stu­di­en­ta­gen auf die glo­ba­le Büh­ne.

An der Lon­don School of Eco­no­mics und als wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin am re­nom­mier­ten Kie­ler In­sti­tut für Welt­wirt­schaft lief sie sich warm. In 21 Dienst­jah­ren bei der In­vest­ment­bank Mor­gan Stan­ley, wo sie als eu­ro­päi­sche Chef­volks­wir­tin und Co-Lei­te­rin des glo­ba­len Öko­no­men­teams fir­mier­te, avan­cier­te sie zur in­ter­na­tio­nal ge­frag­ten Ex­per­tin. Im Au­gust die­ses Jah­res gab Bartsch ih­rer Kar­rie­re dann noch ein­mal eine Wen­dung: Nun ar­bei­tet sie für das Black­Rock In­vest­ment In­sti­tu­te (BII), den Thinktank des Fi­nanz­rie­sen, und lei­tet dort das glo­ba­le Volks­wirt­schafts- und Ka­pi­tal­markt­re­se­arch.

In der klei­nen, fei­nen Zunft der Topöko­no­men wird Bartsch, die bei al­lem Scharf­sinn lo­cker da­her­kommt, als Fach­frau für die glo­ba­le Geld­po­li­tik und hell­sich­ti­ge Be­ob­ach­te­rin der EZB ge­schätzt.

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Raketenfrau

Bettina Curtze Die wichtigste Managerin von Rocket Internet sorgt dafür, dass bei den Samwer-Brüdern der Dealflow stimmt.

Die Green­card lag schon in der Post. Bet­ti­na Curt­ze (42), das Zah­len­ta­lent, hät­te US-Bür­ge­rin wer­den kön­nen. Sie hat­te bei Gold­man Sachs in Lon­don das In­vest­ment­ban­king­hand­werk ge­lernt und es dann spä­ter bei Bar­clays Ca­pi­tal ver­fei­nert. Gu­tes Rüst­zeug also. Dass sie dann doch in Old Eu­ro­pe blieb, dar­an ist Oli­ver Sam­wer (46) schuld, Grün­der und CEO von Ro­cket In­ter­net. Er lock­te die Di­gi­tal- und Te­le­kom­ex­per­tin zu sich ins Team.

Seit dem 1. Ok­to­ber 2014 ar­bei­tet Curt­ze in der Ro­cket-Zen­tra­le in Ber­lin: „Di­rekt am zwei­ten Ar­beits­tag er­leb­te ich den Bör­sen­gang mit.“ Als Vice Pre­si­dent Fi­nan­ce & In­vest­ments küm­mert sie sich um alle fi­nan­zi­el­len Fra­gen der Hol­ding, vor al­lem aber um den mil­li­ar­den­schwe­ren Fonds, mit dem sich Deutsch­lands größ­ter Tech­in­ves­tor an Start-ups be­tei­ligt.

Im 16. Stock der Ro­cket-Zen­tra­le am Check­point Char­lie sind die Flu­re an die­sem Mit­tag gäh­nend leer, im Auf­ent­halts­raum mit sei­nen bun­ten Sitz­kis­sen ver­liert sich ein Mit­ar­bei­ter hin­ter sei­nem Lap­top, statt in ei­ner Kan­ti­ne be­dient man sich aus ei­nem Kühl­schrank, der por­tio­nier­te Tief­kühl­kost be­reit­hält. Curt­ze fin­det das prak­tisch.

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Finale furios

I m Ber­lay­mont in Brüs­sel steigt mit der Eta­ge des Bü­ros auch die Macht. Ganz oben sitzt Jean-Clau­de Juncker (63), der Chef der EU-Kom­mis­si­on; nur ein Stock­werk dar­un­ter re­si­diert Ann Mett­ler (47), von der es heißt, sie sei „Junckers Ge­hirn“.

Seit vier Jah­ren lei­tet die Deutsch­schwe­din das Eu­ro­pean Po­li­ti­cal Stra­te­gy Cent­re, den Thinktank in­ner­halb der Kom­mis­si­on. Mit ih­rem Team lie­fert sie, wozu die Po­li­ti­ker nicht kom­men: aus­ge­ruh­te Ge­dan­ken mit lang­fris­ti­ger Per­spek­ti­ve. „Wir ent­wi­ckeln das Nar­ra­tiv“, sagt Mett­ler.

Wie sind chi­ne­si­sche In­vest­ments in Eu­ro­pa zu be­wer­ten? Wie müss­te eine Si­cher­heits­uni­on aus­se­hen? Wie ge­fähr­lich ist künst­li­che In­tel­li­genz? Mett­ler sorgt selbst­be­wusst für Da­ten und Ar­gu­men­ta­ti­ons­ket­ten.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 1/2019.