Führung

Neuer Schwung im Team

Eine Verhaltensforscherin besuchte einen zehnwöchigen Kurs im Improvisationstheater – und brachte von dort drei Regeln mit, die Managern bei der Personalführung helfen können.

Von Francesca Gino

Seit ein paar Jahr­zehn­ten wird Ar­beit in zu­neh­men­dem Maß von Teams ge­leis­tet und we­ni­ger von Ein­zel­nen. Um­fra­gen deu­ten dar­auf hin, dass Teams für das Mit­ar­bei­ter­en­ga­ge­ment eine sehr wich­ti­ge Rol­le spie­len. Doch aus lang­jäh­ri­gen psy­cho­lo­gi­schen Un­ter­su­chun­gen und aus der Ma­nage­ment­for­schung (dar­un­ter die bahn­bre­chen­den Stu­di­en des Psy­cho­lo­gen J. Ri­chard Hack­man) weiß man, dass Team­ar­beit das En­ga­ge­ment und die Pro­duk­ti­vi­tät der Mit­ar­bei­ter nicht un­be­dingt im­mer ver­bes­sert. Ei­ner der Haupt­grün­de da­für: Füh­rungs­kräf­te nei­gen dazu, das Ge­spräch an sich zu rei­ßen; sie hö­ren nicht zu und ver­schlie­ßen sich den Ide­en ih­rer Mit­ar­bei­ter. Da­her sind die Team­mit­glie­der oft viel zu ver­ängs­tigt – oder schlicht und ein­fach zu ge­lang­weilt und zu des­in­ter­es­siert –, um ei­ge­ne Ide­en in die Dis­kus­si­on ein­zu­brin­gen.

Im Rah­men mei­ner wis­sen­schaft­li­chen For­schung habe ich mich mit ver­schie­de­nen Ar­ten von Teams und ei­ner Viel­zahl von Or­ga­ni­sa­tio­nen welt­weit be­schäf­tigt. Die Grup­pe, in der Kom­mu­ni­ka­ti­on am bes­ten funk­tio­nier­te und bei der alle Mit­glie­der glei­cher­ma­ßen wich­ti­ge Bei­trä­ge leis­te­ten und et­was lern­ten, fand ich nicht in den Bü­ro­räu­men ei­nes Un­ter­neh­mens, son­dern in ei­nem Thea­ter­kurs. Ich hat­te mei­nen Mann und mich zu ei­nem zehn­wö­chi­gen Lehr­gang in ei­nem Im­pro­vi­sa­ti­ons­thea­ter an­ge­mel­det, um ein biss­chen Ab­wechs­lung in un­se­re üb­li­che Abend­ge­stal­tung aus Re­stau­rant- und an­schlie­ßen­dem Ki­no­be­such zu brin­gen. Zu mei­ner gro­ßen Über­ra­schung gab mir die­se all­wö­chent­li­che Flucht aus dem All­tag wich­ti­ge An­re­gun­gen zur Ver­bes­se­rung der mo­no­to­nen Ar­beit der Teams, die ich bis da­hin ana­ly­siert hat­te.

In ei­nem im­pro­vi­sier­ten Thea­ter­stück, bei dem Schau­spie­ler ge­mein­sam eine Sze­ne ent­wi­ckeln oder eine Ge­schich­te er­zäh­len, hat je­der die Mög­lich­keit, et­was zu sa­gen. Die Bei­trä­ge sämt­li­cher Mit­spie­ler sind will­kom­men und wer­den wert­ge­schätzt; alle ko­ope­rie­ren mit­ein­an­der, un­ter­stüt­zen sich ge­gen­sei­tig und ar­bei­ten auf ein ge­mein­sa­mes Ziel hin. Es ist wich­tig, alle Teil­neh­mer ei­ner Grup­pe auf die­se Wei­se ein­zu­bin­den: Denn da­durch, dass wir über die Ide­en und Per­spek­ti­ven an­de­rer Men­schen dis­ku­tie­ren, ler­nen wir et­was von­ein­an­der und kön­nen bes­se­re Ent­schei­dun­gen tref­fen. Und je mehr wir das Ge­fühl ha­ben, dass un­se­re Bei­trä­ge mit Wert­schät­zung auf­ge­nom­men wer­den, des­to eher sind wir be­reit, an­de­re an un­se­ren Ide­en teil­ha­ben zu las­sen.

Sie lesen die Vorschau

Sie haben diese Ausgabe bereits gekauft oder ein digitales Abo? Dann melden Sie sich mit Ihrer manager-ID an, um den vollständigen Artikel zu lesen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 10/2019.