Selbstmanagement

Kleine Geste, große Wirkung

Haben Sie Ihren Kollegen heute Morgen freundlich begrüßt? Gut. Falls nicht, sollten Sie besser gleich damit anfangen, den Lapsus wiedergutzumachen. Denn es sind die kleinen, vermeintlich nebensächlichen Dinge, die über Beziehungen am Arbeitsplatz entscheiden.

Von Kerry Roberts Gibson, Beth Schinoff

Eines Nach­mit­tags schick­te eine Ma­na­ge­rin, die wir Kas­sie nen­nen wol­len, eine E-Mail an ih­ren Team­kol­le­gen Har­ri­son. In ih­rer Nach­richt er­klär­te Kas­sie, war­um sie Har­ri­son nicht zum Füh­rungs­kräf­te­mee­ting ein­ge­la­den hat­te, das zu­vor statt­ge­fun­den hat­te. Sie und Har­ri­son ver­stan­den sich gut, und Kas­sie woll­te si­cher­stel­len, dass ihr Kol­le­ge sich nicht ge­kränkt fühl­te. Zwei Tage spä­ter hat­te sie im­mer noch kei­ne Ant­wort auf ihre E-Mail er­hal­ten. Dies ver­an­lass­te Kas­sie dazu, die Be­zie­hung zu Har­ri­son zu hin­ter­fra­gen. War­um die­se plötz­li­che Un­höf­lich­keit – war Har­ri­son viel­leicht doch ver­är­gert? Stan­den sie wirk­lich in gu­tem Ein­ver­neh­men zu­ein­an­der? Wie soll­te sie sich ver­hal­ten, wenn sich die bei­den das nächs­te Mal be­geg­ne­ten? Har­ri­son hat­te der­weil „Kas­sie ant­wor­ten“ auf sei­ner To-do-Lis­te no­tiert, war aber zu be­schäf­tigt ge­we­sen, um es tat­säch­lich zu tun. Er ahn­te nicht, dass sei­ne lang­sa­me Re­ak­ti­on Be­trof­fen­heit bei Kas­sie aus­ge­löst hat­te.

Der Um­gang mit Kol­le­gen kann Ir­ri­ta­tio­nen ver­ur­sa­chen und so­gar eine Quel­le für Stress sein. Wir be­ob­ach­ten die­ses Phä­no­men seit fast neun Jah­ren re­gel­mä­ßig. Da­mals be­gan­nen wir da­mit, Ar­beits­be­zie­hun­gen zu ana­ly­sie­ren. Die Be­zie­hun­gen zu den Kol­le­gen sind ent­schei­dend da­für, ob Sie sich in Ih­rem Job wohl­füh­len oder nicht. Wenn Sie sich mit Kol­le­gen iden­ti­fi­zie­ren, er­höht dies etwa die Wahr­schein­lich­keit, dass Sie auch mit Ih­rem Un­ter­neh­men als Gan­zem zu­frie­den sind.

Men­schen nei­gen je­doch dazu, ihre Ar­beits­be­zie­hun­gen aus ei­nem ver­eng­ten Blick­win­kel zu be­trach­ten. Die Evo­lu­ti­on hat dazu ge­führt, dass Men­schen Si­tua­tio­nen ent­we­der als „gut“ oder „schlecht“ ein­schät­zen. Dass lässt uns bes­ser auf Be­dro­hun­gen und Chan­cen re­agie­ren. Un­se­re Be­zie­hun­gen zu Kol­le­gen be­wer­ten wir des­halb in­stink­tiv auf ganz ähn­li­che Wei­se nach dem Ent­we­der-oder-Prin­zip. Das Pro­blem da­bei ist, dass es vie­le un­ter­schied­li­che Ar­ten von Ar­beits­be­zie­hun­gen gibt – gute, schlech­te und all jene, die da­zwi­schen­lie­gen. Eine gro­ße An­zahl wis­sen­schaft­li­cher Un­ter­su­chun­gen be­stä­tigt dies nicht nur, son­dern be­legt auch, dass Be­zie­hun­gen häu­fig eine Mi­schung aus po­si­ti­ven und ne­ga­ti­ven As­pek­ten be­inhal­ten.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 10/2019.