Selbstmanagement

Starke Partner in Job und Leben

Beruflich erfolgreiche Paare stehen vor besonderen Herausforderungen: Ständig kommt es zu Situationen, in denen Verpflichtungen und Ziele in Konflikt geraten. In drei Phasen der Beziehung ist das besonders schwierig. Ein Leitfaden zur Bewältigung.

Von Jennifer Petriglieri

Camil­le und Pier­re wa­ren An­fang 40, als sie sich ken­nen­lern­ten, und hat­ten bei­de eine ge­schei­ter­te Ehe hin­ter sich. Ihre Kar­rie­re war ih­nen sehr wich­tig, eben­so wie ihre noch jun­ge Be­zie­hung. Ca­mil­le, eine Wirt­schafts­prü­fe­rin, hat­te sich von ih­rem Ex-Mann un­ter Druck ge­setzt ge­fühlt. Er hat­te von ihr ver­langt, ih­ren Auf­stieg zur Part­ne­rin in ih­rem Un­ter­neh­men zu­rück­zu­stel­len. Pier­re, der Pro­duk­ti­ons­lei­ter in ei­nem Au­to­mo­bil­un­ter­neh­men war, steck­te in ei­nem er­bit­ter­ten Schei­dungs­krieg mit sei­ner Frau, die einst ihre Kar­rie­re zu sei­nen Guns­ten auf­ge­ge­ben hat­te. (Die Na­men sind ge­än­dert, wie bei den an­de­ren in die­sem Ar­ti­kel vor­ge­stell­ten Paa­ren – Anm. d. Red.). An­ge­schla­gen durch die frü­he­ren Kämp­fe mit ih­ren je­wei­li­gen Ex-Part­nern, ka­men bei­de über­ein, ihre Kar­rie­ren als gleich wich­tig ein­zu­stu­fen. An­fangs funk­tio­nier­te das auch gut, aber nach zwei Jah­ren fühl­te sich Ca­mil­le auf ih­rem Kar­rie­re­pfad ein­ge­engt; ihr wur­de klar, dass sie ih­ren Be­ruf nur ge­wählt hat­te, weil „es das war, was schlaue Kin­der eben mach­ten“.

Ent­spre­chend ih­rer Ver­ein­ba­rung hör­te sich Pier­re Ca­mil­les Zwei­fel ge­dul­dig an und er­mu­tig­te sie, nach Al­ter­na­ti­ven zu su­chen. Doch als die Mo­na­te ver­gin­gen, fühl­te er sich im­mer stär­ker durch die viel­fäl­ti­gen An­for­de­run­gen be­las­tet, die er in Ein­klang brin­gen muss­te: Ca­mil­le emo­tio­nal zu un­ter­stüt­zen, die kom­pli­zier­te Fa­mi­li­en­lo­gis­tik zu steu­ern (bei­de hat­ten Kin­der aus ih­ren frü­he­ren Ehen) und in sei­nem an­spruchs­vol­len Be­ruf er­folg­reich zu sein. Als er dann noch an­fing, an sei­nem ei­ge­nen Kar­rie­re­weg zu zwei­feln, frag­te er sich, wie sie es schaf­fen konn­ten, den Kurs zu än­dern. Sie konn­ten es sich we­der leis­ten, eine Aus­zeit von der Ar­beit zu neh­men, noch hat­ten sie viel Zeit zum Nach­den­ken. Zu­dem muss­ten sie die Fa­mi­lie und ihre Be­zie­hung am Lau­fen hal­ten. Frus­triert und er­schöpft frag­ten sich bei­de schließ­lich, wie sie wei­ter­hin Sinn und Er­fül­lung in ih­rem Le­ben fin­den konn­ten.

Die Zahl der Dop­pel­ver­die­ner­paa­re steigt ste­tig an. Nach An­ga­ben des Wa­shing­to­ner Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts Pew Re­se­arch sind bei 63 Pro­zent der Paa­re mit Kin­dern in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten bei­de Part­ner be­rufs­tä­tig (in der EU ist die Zahl mit 64 Pro­zent nur ge­ring­fü­gig hö­her). Vie­le von ih­nen sind so­ge­nann­te Dop­pel­kar­rie­re­paa­re (Dual-Ca­re­er Cou­ples): Bei­de Part­ner sind gut aus­ge­bil­det, ar­bei­ten Voll­zeit in an­spruchs­vol­len Fach- oder Ma­nage­ment­po­si­tio­nen und se­hen sich selbst auf ei­nem auf­stre­ben­den Kar­rie­re­weg. Wie für Pier­re und Ca­mil­le ist für die­se Paa­re der Be­ruf iden­ti­täts­be­stim­mend und der wich­tigs­te Ka­nal für ihre Am­bi­tio­nen. Es gibt in der so­zio­lo­gi­schen For­schung im­mer mehr Hin­wei­se dar­auf, dass Part­ner, die sich bei­de so­wohl dem Be­ruf als auch dem Fa­mi­li­en­le­ben wid­men, da­durch viel ge­win­nen – wie etwa grö­ße­re wirt­schaft­li­che Un­ab­hän­gig­keit, eine zu­frie­de­ne­re Part­ner­schaft und ein ge­rin­ge­res Schei­dungs­ri­si­ko.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 1/2020.