US-Wahlen

Wie das politische System der USA zu retten ist

Und warum Unternehmen dabei eine wichtige Rolle spielen.

Von Katherine M. Gehl, Michael E. Porter
ÜBER DIE BIL­DER: Die Über­res­te des Pre­si­dents Park, ei­ner ge­schei­ter­ten Tou­ris­ten­at­trak­ti­on, hat Ro­bert Ja­mes do­ku­men­tiert. Die 43 brö­ckeln­den Büs­ten frü­he­rer Prä­si­den­ten, jede fünf­ein­halb bis sechs Me­ter hoch, ste­hen jetzt auf ei­nem pri­va­ten Bau­ern­hof in Croa­ker im US-Bun­des­staat Vir­gi­nia.

In Wa­shing­ton, D. C., herrscht nie ge­kann­ter po­li­ti­scher Still­stand: Die Grä­ben zwi­schen den Par­tei­en sind so tief wie nie, und der Kon­gress scheint sei­ne Kom­pro­miss- und Hand­lungs­fä­hig­keit ver­lo­ren zu ha­ben. Vie­le Ame­ri­ka­ne­rin­nen und Ame­ri­ka­ner – so­wie ein Groß­teil der üb­ri­gen Welt – hal­ten das po­li­ti­sche Sys­tem der USA in­zwi­schen für so ir­ra­tio­nal und dys­funk­tio­nal, dass es nicht mehr zu ret­ten ist.

Ja, Re­pu­bli­ka­ner und De­mo­kra­ten ha­ben ein Not­hil­fe­ge­setz ver­ab­schie­det, um die durch die Co­ro­na-Kri­se ge­beu­tel­te Wirt­schaft zu sta­bi­li­sie­ren. Das soll­te nicht als Hoff­nungs­schim­mer für das po­li­ti­sche Sys­tem miss­ver­stan­den wer­den. Es spie­gelt viel­mehr ein alt­be­kann­tes Mus­ter: In ei­ner na­tio­na­len Kri­se er­we­cken die bei­den gro­ßen Par­tei­en den An­schein, an ei­nem Strang zu zie­hen, weil jede von ih­nen sonst ein ver­nich­ten­des Wahl­er­geb­nis be­fürch­tet. Sie fei­ern sich öf­fent­lich für Not­fall­hil­fen und ei­ni­gen sich still­schwei­gend dar­auf, die Kos­ten auf künf­ti­ge Ge­ne­ra­tio­nen ab­zu­wäl­zen. Wenn die ak­tu­el­le Kri­se nach­lässt, wird der US-Kon­gress sein brand­ge­fähr­li­ches po­li­ti­sches Spiel fort­set­zen, das für vie­le ak­tu­el­le Her­aus­for­de­run­gen kei­ne Lö­sun­gen an­bie­tet und künf­ti­ge Kri­sen nicht ver­hin­dert. Da­bei gin­ge es auch an­ders.

Es gibt durch­aus wirk­sa­me Lö­sun­gen, die sich bin­nen we­ni­ger Jah­re um­set­zen lie­ßen. In un­se­rem Buch „The Po­li­tics In­dus­try: How Po­li­ti­cal In­no­va­ti­on Can Break Par­ti­san Gridlock and Save Our De­mo­cra­cy“ strei­fen wir das kon­ven­tio­nel­le Ver­ständ­nis ame­ri­ka­ni­scher Po­li­tik ab. Denn das Pro­blem sind nicht die Po­li­ti­ker, die po­li­ti­schen In­hal­te oder die Po­la­ri­sie­rung, son­dern die Spiel­re­geln. Es ist näm­lich nicht so, als wür­de un­ser po­li­ti­sches Sys­tem nicht funk­tio­nie­ren. Ganz im Ge­gen­teil, es funk­tio­niert haar­ge­nau so, wie es kon­zi­piert wur­de. Es ist nicht dar­auf aus­ge­legt, im öf­fent­li­chen In­ter­es­se zu han­deln oder po­li­ti­sche In­no­va­tio­nen zu för­dern. Es sieht auch kei­ne Kon­se­quen­zen vor, wenn dies nicht ge­schieht. Statt­des­sen wur­den die meis­ten Re­geln, die den po­li­ti­schen All­tag prä­gen, auf eine per­ver­se Art op­ti­miert oder gar be­wusst ge­schaf­fen, um dem Duo­pol im Zen­trum un­se­res po­li­ti­schen Sys­tems zu nut­zen: den De­mo­kra­ten und den Re­pu­bli­ka­nern (und den Ak­teu­ren in ih­rem Um­feld) – dem, was wir in den USA als den „po­li­tisch-in­dus­tri­el­len Kom­plex“ be­zeich­nen.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 10/2020.