Stressmanagement

Dem Mikrostress entkommen

Häufig fühlen wir uns gestresst und ausgelaugt, wissen aber nicht, warum. Ursache sind oft Menschen und Situationen, die uns zwar allein nicht überfordern, in Summe aber enorm viel Kraft kosten. Die gute Nachricht: Wir können lernen, unsere Stressoren auszuschalten.

Von Rob Cross, Jean Singer, Karen Dillon

Wir alle ken­nen Tage, an de­nen wir er­schöpft nach Hau­se kom­men, ins Bett ge­hen, das Licht aus­ma­chen und in ei­nen un­ru­hi­gen Schlaf fal­len. Ei­ni­gen von uns pas­siert das fast je­den Tag. Oft krei­den wir un­se­ren Stress ei­nem schwie­ri­gen Pro­jekt, den Kun­den oder dem Chef an. Da­bei geht die­se Er­schöp­fung oft auf viel mehr Fak­to­ren zu­rück. Stress be­fällt uns über den gan­zen Tag ver­teilt in vie­len klei­nen Do­sen – das nen­nen wir „Mi­krost­ress“. Er kommt aus Quel­len, die Sie viel­leicht noch nie in Be­tracht ge­zo­gen ha­ben. Die In­ten­si­tät, Viel­falt und Ge­schwin­dig­keit von stress­be­zo­ge­nen Be­rüh­rungs­punk­ten (also wie wir täg­lich mit an­de­ren kom­mu­ni­zie­ren und zu­sam­men­ar­bei­ten), die wir an ei­nem ty­pi­schen Tag er­le­ben, über­steigt al­les, was wir bis­lang kann­ten. Zu­sam­men for­dern sie ei­nen enor­men Tri­but von un­se­rer Ge­sund­heit und un­se­rer Ar­beits­pro­duk­ti­vi­tät.

Sie wis­sen wahr­schein­lich, dass Stress Sie an­fäl­li­ger für chro­ni­sche und psy­chi­sche Krank­hei­ten wie De­pres­sio­nen macht. Ei­ni­ge Schät­zun­gen ge­hen da­von aus, dass 60 bis 80 Pro­zent al­ler Arzt­be­su­che durch stress­be­ding­te Be­schwer­den ent­ste­hen. Stress ist so schäd­lich für Ar­beit­neh­mer, dass die Oc­cupa­tio­nal Safe­ty and Health Ad­mi­nis­tra­ti­on (Bun­des­be­hör­de der USA für die Durch­set­zung des Ar­beits­si­cher­heits­ge­set­zes – Anm. d. Red.) Stress zu ei­ner Ge­fahr am Ar­beits­platz er­klärt hat. Stress lässt die Pro­duk­ti­vi­tät ins­ge­samt sin­ken, weil ge­stress­te Men­schen eher schlech­te Ent­schei­dun­gen tref­fen und we­ni­ger mo­ti­viert, in­no­va­tiv und pro­duk­tiv ar­bei­ten. Nicht ab­ge­bau­ter Stress kann zu ei­nem Burn-out füh­ren, der sich durch Er­schöp­fung, Dis­tan­zie­rung und schlech­te­re Leis­tung bei der Ar­beit aus­zeich­net.

Das Pro­blem ist: Die meis­ten von uns ha­ben Mi­krost­ress als ganz nor­ma­len Teil ih­res All­tags ak­zep­tiert. Wir re­gis­trie­ren ihn kaum, aber ku­mu­la­tiv zer­mürbt er uns. Und was noch schlim­mer ist: Quel­le die­ser Mi­krost­ress­fak­to­ren sind oft ge­nau die Men­schen, de­nen wir am Ar­beits­platz und pri­vat am engs­ten ver­bun­den sind. Des­halb ha­ben wir zwölf gän­gi­ge Stress­fak­to­ren de­fi­niert (sie­he Ta­bel­le „Was treibt Ih­ren Stress an"), die wahr­schein­lich Ihr Wohl­be­fin­den be­ein­flus­sen, ohne dass Sie sich zwangs­läu­fig de­ren Aus­wir­kun­gen be­wusst sind. Erst wenn Sie die­se Stress­quel­len er­kannt ha­ben, kön­nen Sie an­fan­gen, sie zu be­kämp­fen.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 10/2020.