Geschlechterungleichheit

Es ist nicht, was Sie denken

Seit Jahren mühen sich Unternehmen, Karrierechancen von Frauen zu verbessern. Genauso lange klagen Frauen, dass ihre Aufstiegsmöglichkeiten eingeschränkt bleiben. Kein Wunder, denn die Unternehmen lassen bei ihren Lösungsansätzen das eigentliche Problem außer Acht.

Von Robin J. Ely, Irene Padavic

Als Wis­sen­schaft­le­rin­nen, die zur Ge­schlech­terun­gleich­heit am Ar­beits­platz for­schen, wer­den wir von Un­ter­neh­men oft ge­be­ten, ei­ner Fra­ge nach­zu­ge­hen, auf die sie selbst kei­ne Ant­wort fin­den: War­um ist es so schwer, Frau­en zu hal­ten und in Füh­rungs­po­si­tio­nen zu brin­gen?

Die Fra­ge stel­len sich nicht nur un­se­re Auf­trag­ge­ber. Das Pro­blem ist all­ge­gen­wär­tig. Be­mer­kens­wert ist da­bei der Ver­lauf der Ent­wick­lung: In den 70er und 80er Jah­ren ka­men Frau­en auf dem Weg zu mehr Ein­fluss und Au­to­ri­tät in den Un­ter­neh­men gut vor­an. In den 90er Jah­ren ver­lang­sam­te sich ihr Tem­po Rich­tung Spit­ze je­doch deut­lich. Im neu­en Jahr­hun­dert tre­ten vie­le Frau­en nur noch auf der Stel­le.

War­um Frau­en in Füh­rungs­po­si­tio­nen im­mer noch so dra­ma­tisch un­ter­re­prä­sen­tiert sind? Die Ant­wort ist meist ein Kla­ge­lied. Das La­men­to über die un­er­freu­li­che, aber un­aus­weich­li­che „Wahr­heit“ geht in etwa so: Jobs an der Un­ter­neh­mens­spit­ze er­for­dern ex­trem viel Ar­beit. Weil Frau­en sich ne­ben dem Job auch um Kin­der und Fa­mi­lie küm­mern, kön­nen sie den nö­ti­gen Ar­beits­ein­satz nicht leis­ten. Klar, dass dar­un­ter ihre Kar­rie­re lei­det. Wir nen­nen die­se Er­klä­rung das Nar­ra­tiv vom Kon­flikt zwi­schen Ar­beit und Fa­mi­lie. In ei­ner im Jahr 2012 durch­ge­führ­ten Be­fra­gung von mehr als 6500 Alum­ni der Har­vard Busi­ness School führ­ten 73 Pro­zent der Män­ner und 85 Pro­zent der Frau­en die­ses Nar­ra­tiv an, um den im­mer noch sto­cken­den Auf­stieg von Frau­en zu er­klä­ren. Und dies un­ab­hän­gig von der Bran­che, in der sie be­schäf­tigt wa­ren. In­des: Nur weil die­se Be­grün­dung all­ge­mein ak­zep­tiert ist, heißt das noch nicht, dass sie zu­trifft. Un­se­re For­schun­gen näh­ren je­den­falls sehr ernst­haf­te Zwei­fel.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 6/2020.