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Wie viel Disruption ist verträglich?

Fallstudie Das mittelständische Softwareunternehmen DocuSort ist wirtschaftlich gut aufgestellt. Doch die Technologien entwickeln sich rasant weiter. Der Inhaber fürchtet, nicht Schritt halten zu können. Ein zweites Standbein könnte sein Geschäft ergänzen, ja sogar ersetzen. Soll er es wagen?

Von Sabine Holl

Die Be­schleu­ni­gung des star­ten­den Flug­zeugs press­te Erik Holt­kamp in sei­nen Sitz. Er ge­noss das Ge­fühl der Kraft­ent­fal­tung. Noch ein­mal rich­tig Voll­gas ge­ben und ab­he­ben – das war es, was er sich auch als Un­ter­neh­mer wünsch­te. Nach­denk­lich klapp­te der 56-Jäh­ri­ge sei­nen Lap­top auf. Was er brauch­te, war In­spi­ra­ti­on. Die hat­te er sich vom World AI Sum­mit ver­spro­chen, den er die­ses Jahr nur on­line hat­te ver­fol­gen kön­nen – aus Zeit­grün­den noch nicht ein­mal über­wie­gend live. Nun wähl­te er aus sei­ner Lis­te an ver­pass­ten Vor­trä­gen eine Keyno­te aus zum The­ma „Wie künst­li­che In­tel­li­genz (KI) das Ma­nage­ment un­struk­tu­rier­ter Da­ten re­vo­lu­tio­niert“. Er stöp­sel­te sich die Oh­ren zu, um sich in die Prä­sen­ta­ti­on zu ver­tie­fen.

Aber in Ge­dan­ken war er wäh­rend des Vor­trags be­reits bei sei­nem Flug­ziel Ham­burg und der Be­geg­nung, die dort auf ihn war­te­te. In ei­ner vir­tu­el­len Lounge des AI Sum­mit hat­te er sei­ne alte Stu­di­en­kol­le­gin Anne van Aar­hus ge­trof­fen. Die In­for­ma­ti­ke­rin hat­te im Si­li­con Val­ley eine stei­le Kar­rie­re hin­ge­legt, be­vor sie of­fen­bar kürz­lich wie­der nach Deutsch­land zu­rück­ge­kehrt war. Nun wa­ren sie zum Es­sen ver­ab­re­det. Er freu­te sich auf das Wie­der­se­hen nach sei­nen Ter­mi­nen in der Ham­bur­ger Ge­schäfts­stel­le. Wann hat­te er sie ei­gent­lich zu­letzt ge­se­hen? Es muss­te fast 21 Jah­re her sein.

Da­mals steck­te er noch mit­ten im Auf­bau sei­nes Soft­ware­un­ter­neh­mens – ei­nem Stru­del aus Er­fol­gen, Durst­stre­cken und Rück­schlä­gen. Selt­sa­mer­wei­se fühl­te er sich heu­te, da sich das Ge­schäft sta­bil ent­wi­ckel­te, den­noch an­ge­spann­ter. Sei­ne Fir­ma Do­cu­Sort stand kurz vor ih­rem 25-jäh­ri­gen Ju­bi­lä­um und be­schäf­tig­te über 500 Mit­ar­bei­ter. Wahr­schein­lich, so sag­te sich Holt­kamp, soll­te er sich ein­fach auf dem so­li­den Be­stand an treu­en Li­zenz­neh­mern aus­ru­hen und sei­ne Ent­wick­ler mit Up­dates an der be­ste­hen­den Lö­sung aus­las­ten. Aber er wur­de das Ge­fühl nicht los, dass er ei­nen Trend ver­pass­te und ihm die Zeit da­von­lief: „Wo­hin wird sich die Di­gi­ta­li­sie­rung ent­wi­ckeln, was wer­den un­se­re Kun­den in fünf oder zehn Jah­ren für ihr Ge­schäft brau­chen?“, frag­te er sich.Und war es über­haupt mög­lich, mit dem Wis­sen von heu­te eine Pro­gno­se für die Zu­kunft an­zu­stel­len?

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 1/2021.