Strategien

Kettenre­aktion

Beschaffung Unternehmen betreiben enormen Aufwand, um ihre Lieferantennetzwerke zu optimieren und nachhaltig zu gestalten. Vielfach übersehen sie dabei jedoch die entscheidenden Gefahren. Die gute Nachricht: Die meisten Stolperfallen lassen sich mit gezielten Maßnahmen aus dem Weg räumen.

Von Verónica H. Villena, Dennis A. Gioia
Über die Bil­der: Der Künst­ler Ed­ward Bur­tyns­ky stammt aus Ka­na­da und wur­de mit groß­for­ma­ti­gen Fo­to­gra­fi­en von In­dus­trie­land­schaf­ten be­rühmt. Sei­ne Wer­ke wa­ren zum Bei­spiel im Gug­gen­heim Mu­se­um zu se­hen. Zwi­schen 2002 und 2005 ent­stan­den sei­ne Auf­nah­men in Chi­na an meh­re­ren Stand­or­ten und in ver­schie­de­nen Bran­chen. Bur­tyns­ky legt Wert dar­auf, dass sei­ne Bil­der mit ih­rem Ti­tel er­schei­nen. Die­ses ent­stand bei ei­ner Rei­se durch chi­ne­si­sche Pro­duk­tio­nen in ei­ner Fleisch­fa­brik und heißt: Ma­nu­fac­tu­ring #17, Deda Chi­cken Pro­ces­sing Plant, De­hui City, Ji­lin Pro­vin­ce, Chi­na, 2005

Seit ei­ni­gen Jah­ren ver­pflich­ten sich im­mer mehr mul­ti­na­tio­na­le Un­ter­neh­men, nur noch mit Zu­lie­fe­rern zu ar­bei­ten, die sich an fest­ge­leg­te So­zi­al- und Um­welt­stan­dards hal­ten. In der Re­gel er­war­ten sie, dass ihre Lie­fe­ran­ten die­se Stan­dards nicht nur selbst be­rück­sich­ti­gen, son­dern auch da­für sor­gen, dass ihre ei­ge­nen Zu­lie­fe­rer die­se Stan­dards um­set­zen. Auf die­se Wei­se sol­len sich nach­hal­ti­ge Prak­ti­ken kas­ka­den­ar­tig durch die ge­sam­te Lie­fer­ket­te zie­hen – oder, wie wir lie­ber sa­gen, durchs Lie­fe­r­an­ten­netz­werk.

Das ist ein lo­bens­wer­tes Ziel. Lei­der zeigt die Pra­xis, dass es nur schwer zu er­rei­chen ist. Vie­le Un­ter­neh­men, die sich red­lich müh­ten, die selbst auf­er­leg­ten Stan­dards ein­zu­hal­ten, wa­ren trotz­dem in Skan­da­le ver­wi­ckelt. Zum Ver­häng­nis wur­den ih­nen Lie­fe­ran­ten, die sich nicht an die ver­ein­bar­ten Nach­hal­tig­keits­stan­dards hiel­ten. Den­ken Sie etwa an die har­sche Kri­tik, die sich die Hard­ware­her­stel­ler App­le, Dell und HP ge­fal­len las­sen muss­ten: Sie hat­ten Elek­tro­nik­kom­po­nen­ten von Her­stel­lern im Aus­land be­zo­gen, bei de­nen Ar­beits­schutz buch­stäb­lich ein Fremd­wort war. Nike und Adi­das wur­den öf­fent­lich an den Pran­ger ge­stellt, weil ihre Lie­fe­ran­ten in Chi­na hoch­gif­ti­ge Sub­stan­zen in Flüs­se ge­lei­tet hat­ten.

Sämt­li­che die­ser Skan­da­le wur­den durch das Ver­hal­ten di­rek­ter Zu­lie­fe­rer aus­ge­löst. Das ist be­mer­kens­wert. Wei­ter un­ten in der Lie­fer­ket­te sieht es in punc­to Nach­hal­tig­keit oft noch viel schlim­mer aus. Wir stel­len in die­sem Bei­trag An­sät­ze vor, mit de­nen mul­ti­na­tio­na­le Un­ter­neh­men die enor­men fi­nan­zi­el­len, so­zia­len und öko­lo­gi­schen Ri­si­ken ent­schär­fen kön­nen.

Sie lesen die Vorschau

Sie haben diese Ausgabe bereits gekauft oder ein digitales Abo? Dann melden Sie sich mit Ihrer manager-ID an, um den vollständigen Artikel zu lesen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 3/2021.