Akademie

Ausgebremst

Fallstudie Ein 54-jähriger Marketingmanager aus der Modebranche hatte die nächste Beförderung schon ins Auge gefasst. Doch plötzlich wird ihm gekündigt. Ein Schock. Was kann und will er tun?

Von Christina Kestel

Mar­kus Gehl muss­te raus aus dem Kon­fe­renz­raum. Es schnür­te ihm die Keh­le zu, er brauch­te drin­gend fri­sche Luft. Er stürm­te durch den Not­aus­gang der Fir­men­zen­tra­le ins Freie. Die ei­si­ge Luft war eine Wohl­tat für sei­nen er­hitz­ten Kopf. Mit schnel­len Schrit­ten eil­te er zu sei­nem Lieb­lings­platz, ei­ner hin­ter Bü­schen ver­steck­ten Bank auf der nahe ge­le­ge­nen An­hö­he. Mit ei­nem lau­ten Seuf­zer setz­te er sich und starr­te in die schnee­be­deck­te Land­schaft.

Die Wo­che hat­te schon merk­wür­dig an­ge­fan­gen. Am Mon­tag hat­te der CEO von Hand­s­men, Adri­an Schopf, ad hoc ein wich­ti­ges vir­tu­el­les Mee­ting für die­sen Tag ge­can­celt – ohne Grün­de zu nen­nen. Statt­des­sen hat­te er Gehl und wei­te­re Füh­rungs­kräf­te am Diens­tag in sein Büro in der Zen­tra­le be­stellt. Schopfs As­sis­ten­tin war Gehls Fra­gen nach dem Grund ge­konnt aus­ge­wi­chen. Doch auch wenn der 54-jäh­ri­ge Mar­ke­ting­ma­na­ger kei­ne Ant­wort be­kom­men hat­te, konn­te er sich die Hin­ter­grün­de den­ken. Schließ­lich konn­te er rech­nen: Die Um­sät­ze des Her­stel­lers von Her­ren­be­klei­dung hat­ten schon in den ver­gan­ge­nen Jah­ren nach­ge­ge­ben, wa­ren aber durch die Co­ro­na-Kri­se noch mal um ein Drit­tel auf rund 90 Mil­lio­nen Euro ein­ge­bro­chen. Ge­ra­de die Fi­lia­len in den grö­ße­ren Städ­ten hat­ten ge­lit­ten; ih­nen fehl­te das zah­lungs­kräf­ti­ge aus­län­di­sche Pu­bli­kum. Und auch die Nach­fra­ge aus der Busi­ness­welt war aus­ge­blie­ben – wer brauch­te im Ho­me­of­fice schon eine neue Kra­wat­te oder ein neu­es Hemd? Hand­s­men stell­te Her­ren­kon­fek­ti­on im Lu­xus­seg­ment her und war seit sei­ner Grün­dung in den 50er Jah­ren stets sei­ner Li­nie „Stil­voll, lu­xu­ri­ös, mo­disch“ treu ge­blie­ben. Doch wenn über lan­ge Zeit die Kund­schaft aus­bleibt, kann kein Un­ter­neh­men so wei­ter­ma­chen wie bis­her.

Der CEO muss­te re­agie­ren, das war Gehl klar. Er er­war­te­te ein Spar­pro­gramm und Stel­len­ab­bau. Wo­mit er nicht ge­rech­net hat­te, war sei­ne Ent­las­sung.

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