Kolumne

Talent minus Eitelkeit

Wie Sie die Qualität von Managern wirklich beurteilen können.

Von Bis­marck stammt der Spruch „Cha­rak­ter ist Ta­lent mi­nus Ei­tel­keit.“ Er­zählt hat ihn mir Jo­han­nes von Sal­muth, der Vor­sit­zen­de des Ge­sell­schaf­ter­aus­schus­ses der Röch­ling-Grup­pe, bei ei­ner be­son­de­ren Ge­le­gen­heit, ei­nem Vor­trag des No­bel­preis­trä­gers für Phy­sik, Pe­ter Grün­berg. Pro­fes­sor Grün­berg be­ein­druck­te uns nicht nur durch den In­halt sei­ner Rede, son­dern ge­nau­so durch sei­ne un­glaub­li­che Be­schei­den­heit - be­kannt­lich das Ge­gen­teil von Ei­tel­keit, und da­mit wa­ren wir beim The­ma. Von Sal­muth füg­te an, dass sich der bis­marck­sche Spruch bei Be­ur­tei­lun­gen von Ma­na­gern viel­fach als hilf­reich er­wie­sen habe. Das fand ich sehr in­ter­es­sant, es gab und gibt mir zu den­ken.

Zur Ver­an­schau­li­chung neh­men wir am bes­ten ei­ni­ge kon­kre­te Bei­spie­le, die je­der­mann be­kannt sind. Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel darf man gro­ßes po­li­ti­sches Ta­lent at­tes­tie­ren. So weit ich das aus der Au­ßen­sicht be­ur­tei­len kann, ist die Ei­gen­schaft Ei­tel­keit bei ihr hin­ge­gen un­ter­ent­wi­ckelt. Was kommt auf der lin­ken Sei­te der Bis­marck-Glei­chung raus? Ein ho­her Wert! Auch Au­ßen­mi­nis­ter Gui­do Wes­ter­wel­le wird man po­li­ti­sches Ta­lent nicht ab­spre­chen. Lie­fert die Bis­marck-For­mel eine Er­klä­rung, war­um er den­noch bei vie­len Leu­ten nicht so rich­tig an­kommt? Und wie wird sich Ver­tei­di­gungs-mi­nis­ter Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg, ein wei­te­rer Ta­lent­trä­ger un­ter den jün­ge­ren Po­li­ti­kern, in die­ser Hin­sicht ent­wi­ckeln? Eine of­fe­ne Fra­ge, die nur die Zu­kunft be­ant­wor­ten kann! In un­se­rer Dis­kus­si­on über­wog die Mei­nung, dass die Ei­tel­keit oft mit den Le­bens­jah­ren wächst. Aber es gibt auch Men­schen, bei de­nen sie ab­nimmt. Kajo Neu­kir­chen, ehe­ma­li­ger Chef der Me­tall­ge­sell­schaft, könn­te ein sol­cher Fall sein.

Bis­marck war ein schlau­er Fuchs. War­um könn­te er der Ei­tel­keit eine Be­deu­tung bei­ge­mes­sen ha­ben, die sie auf eine Ebe­ne mit dem Ta­lent stellt? Eine na­he­lie­gen­de Er­klä­rung be­steht dar­in, dass Ei­tel­keit Füh­rungs­kräf­te dazu ver­führt, enorm viel Ge­hirn­schmalz, Zeit und En­er­gie auf Selbst­dar­stel­lung und Äußer­lich­kei­ten zu ver­wen­den. Die so ein­ge­setz­ten Denk­ka­pa­zi­tä­ten, Zei­ten und En­er­gi­en feh­len zwangs­läu­fig für die Lö­sung von Sach­pro­ble­men und -fra­gen. Wenn die­se Hy­po­the­se stimm­te, dann soll­ten we­ni­ger eit­le Men­schen weit­aus ef­fek­ti­ve­re Ma­na­ger sein. Ei­tel­keit und lang­fris­ti­ger Er­folg wür­den also ne­ga­tiv kor­re­lie­ren.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 3/2011.