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Warum schwimmt in den Bündner Bergen der frischeste Fisch?

Die Klatsch­re­por­ter in St. Mo­ritz sind ei­gent­lich eine Schutz­wehr für die A-Pro­mi­nenz. In­dem sie ihr Licht ver­läss-lich auf die C-Be­rühmt­hei­ten rich­ten, die schau­lau­fen auf al­len Events, kön­nen die wirk­lich Wich­ti­gen in Ruhe ihre Run­den dre­hen. Pri­ma, dass „Bun­te“ und „Gala“ ihr Per­so­nal im­mer zwi­schen „Pa­lace“ und „Pa­ra­di­so“ su­chen (und bei dem schö-nen Spiel - wel­che Hüt­te ge­hört wem? - ge­flis­sent­lich das Haus von Hu­bert Bur­da in der Via Dim Lej über­se­hen). So fällt nicht wei­ter auf, wenn In­dus­tri­el­le auf der „Cla­va­datsch“ am Su­vret­ta-Hang ihr „Mist­krat­z­er­li“ be­stel­len oder Mit­glie­der ei­ner deut­schen Kaf­fee­dy­nas­tie die letz­ten Strah­len der Nach­mit­tags­son­ne auf der Ter­ras­se des „Bel­la­vis­ta“ in Sil­va­pla­na-Sur­lej ge­nie­ßen.

Das ge­heims­te Ver­steck der En­ga­din-Lieb­ha­ber aber be­fin­det sich am Ende des Tals, zwi­schen Sils Ma­ria und Ma­lo­ja am Sils­er­see. Plaun da Lej heißt die­ser gott­ver­las­se­ne Ort, „Murta­r­öl“ das un­schein­ba­re Re­stau­rant. Hier ist An­to­nio Walt­her (50) auf­ge­wach­sen, schon die Groß­el­tern führ­ten das Haus als Som­mer- wirt­schaft, win­ters wohn­te die Fa­mi­lie im Ber­gell. „Die Stun­den mit mei­nem On­kel Rudi auf dem See wa­ren le­bens­prä­gend für mich“, sagt Walt­her, der, wie­wohl spä­ter Leh­rer für Bio­lo­gie, Geo­gra­fie und Sport, 1984 aus dem Ang­ler­treff sei­ner El­tern ein Ganz­jah­res­lo­kal mach­te, na­tür­lich spe­zia­li­siert auf Fisch.

Heu­te ist der sym­pa­thi­sche Wirt, ge­wief­te Fisch­händ­ler und ge­wähl­te Be­zirks­rich­ter der un­ge­krön­te Fisch­kö­nig des En­ga­d­ins. Er hat das Meer nach St. Mo­ritz ge­holt. Denn seit 1995 kauft er in Mai­land, auf Eu­ro­pas zweit­größ­tem Fisch­markt, ein, als ein­zi­ger Schwei­zer mit Li­zenz. Ver­lässt um zwei Uhr mor­gens das Bett, fährt 150 Ki­lo­me­ter, in der Haupt­sai­son fünf­mal die Wo­che. Da­von pro­fi­tiert das gan­ze Tal, Lu­xus­ho­tels, Ster­ne­re­stau­rants, Ein­hei­mi­sche, die er bis nach Po­s­chia­vo über Fisch­ver­kaufs­wa­gen ver­sorgt. Aber das ist es nicht al­lein. Wie Her­bert Se­ck­ler auf Sylt kann der Wirt am Sils­er­see mit je­dem um­ge­hen, ob Ban­kier, Bau­ar­bei­ter, Hob­by­ang­ler oder Olig­arch.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 3/2011.