Manager Unterwegs

Auf dem Pulverfass

Seit 2010 ein Ho­tel: die Mi­li­tär­fes­tung „Cap Ro­cat“ bei Pal­ma

Sie wol­len auf Mal­lor­ca ei­nen gran­dio­sen Ge­burts­tag fei­ern? Mit Glanz und Glo­ria Ihre Toch­ter ver­hei­ra­ten? Oder Ih­rer bes­se­ren Hälf­te mit ei­nem wirk­lich be­son­de­ren Wo­chen­en­de am Meer im­po­nie­ren? Dann flie­gen Sie nach Pal­ma, mit dem Auto sind Sie in ge­ra­de 15 Mi­nu­ten am „Cap Ro­cat“. Und da liegt sie vor Ih­nen: die Fes­tung al­ler Träu­me. Ein Mo­nu­ment der Ge­schich­te. Ein State­ment für Ele­ganz und gu­tes De­sign. - Also nichts wie hin? Ja, das emp­feh­len wir. Und dort rich­tig Fe­ri­en ma­chen? Nein, da­von ra­ten wir ent­schie­den ab. Denn die ehe­ma­li­ge Mi­li­tär­an­la­ge, heu­te Mit­glied der Small Lu­xu­ry Ho­tels of the World, ist zwar eine tol­le Lo­ca­ti­on. Aber kein Fünf-Ster­ne-Ur­laubs­do­mi­zil. Es tut nur so.

Op­tisch ist das trut­zi­ge Fort, zum Schutz des Ha­fens in den letz­ten Jah­ren des 19. Jahr­hun­derts er­baut, zum Nie­der­kni­en. An­to­nio Ob­ra­dor (55), in Pal­ma ge­bo­ren und Spe­zia­list für Re­stau­rie­run­gen, hat zwi­schen die­sen kar­gen Fes­tungs­mau­ern, ver­steckt im gel­ben Sand­stein der Steil­küs­te, er­neut Ge­nia­li­tät be­wie­sen (sei­ne Fir­ma De­na­rio ge­stal­te­te be­reits un­se­re mal­lor­qui­ni­schen Lieb­lings­ho­tels „Son Net“ und „La Re­si­den­cia“ so­wie das wun­der­ba­re „La Flo­ri­da“ in Bar­ce­lo­na). Ja, es ist wie ein Wun­der: Wo frü­her schar­fe Mu­ni­ti­on la­ger­te und 200 Ka­no­nen droh­ten, da duf­ten heu­te Ros­ma­rin­bee­te, plät­schern Brun­nen, blä­hen sich wei­ße Tü­cher im Wind, da schaf­fen glä­ser­ne Ver­bin­dungs­gän­ge span­nen­de Durch­bli­cke, la­den läs­sig-ele­gan­te Sa­lons zum Ver­wei­len ein. Wie im­mer bei Ob­ra­dor, der die Mi­li­tär­an­la­ge nach ih­rer Schlie­ßung im Jahr 2001 er­warb, stimmt je­des De­tail: von der mo­der­nen Kunst an den Wän­den bis hin zu den weiß ein­ge­fass­ten beige­far­be­nen Frot­tee­tü­chern.

Doch hin­ter der Fas­sa­de ist al­les we­ni­ger hip. Die 21 Cap-Ro­cat-Sui­ten am Klip­pen­rand, frü­he­re Mu­ni­ti­ons­la­ger, er­wei­sen sich als schat­ti­ge Ge­wöl­be mit Fens­ter zum Hof. An ei­nem Re­gen­tag möch­te man hier nicht woh­nen. Umso wich­ti­ger die Ex­tras. Aber we­der Blu­men noch Obst be­grü­ßen den Gast; da­für ist die Steh­lam­pe de­fekt, es fehlt ein Spot in der De­cke, statt­des­sen gähnt ein Loch; eine Gar­di­ne ist nicht rich­tig auf­ge­hängt, in ei­ner Ni­sche brö­selt we­gen Feuch­tig­keit be­reits der Putz; hei­ßes Was­ser läuft nur in der Du­sche, nicht am Wasch­tisch. Das sind wahr­lich ein paar Ma­cken zu viel für 756 Euro pro Nacht in der Haupt­sai­son. Zu­dem ist an die­sem Don­ners­tag­abend das Re­stau­rant „La For­ta­le­za“ ge­schlos­sen; die alte „Old Fort­ress“-Kü­che dampft nur bei spe­cial Events; ser­viert wird al­lein im ent­fern­ten „Sea Club“. In der Bar gibt es nicht mal eine Oli­ve zu bei­ßen. Gäh­nen­de Lee­re auf ma­gisch be­leuch­te­ten Ter­ras­sen. Man kommt sich vor wie in ei­ner gi­gan­ti­schen Lu­xus­vil­la - aber die Haus­her­ren sind ver­reist. Am bes­ten, Sie kom­men mit ei­ner Jacht, an­kern in der Cala de la Rei­na, stei­gen die stei­len Trep­pen zum „Sea Club“ hin­auf und ge­nie­ßen bei gu­tem Es­sen die Aus­sicht auf Pal­mas wei­te Bucht. Oder, noch bes­ser: Sie las­sen sich zu ei­ner der gro­ßen Par­tys ein­la­den. Ein paar Hun­dert Leu­te ha­ben auf der Dach­ter­ras­se mit den ma­rok­ka­ni­schen Zel­ten be­quem Platz. Un­ge­zähl­te Fa­ckeln leuch­ten. Und man kann Cham­pa­gner trin­ken ohne je­den An­flug von Me­lan­cho­lie: Aus den schwe­ren Ge­schüt­zen der Fes­tung, Mar­ke Krupp, wur­de nie­mals ein Schuss ab­ge­feu­ert. ◆

Sie lesen die Vorschau

Sie haben diese Ausgabe bereits gekauft oder ein digitales Abo? Dann melden Sie sich mit Ihrer manager-ID an, um den vollständigen Artikel zu lesen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 8/2011.