Manager Unterwegs

Schluss mit dem Diktat des Tellers!

Mor­bi­de Pracht: Ca­me­ra Work prä­sen­tiert Ro­bert Po­li­do­ri

Na­tür­lich wird der „Pau­ly Saal“, das neue Ber­li­ner Re­stau­rant, das „Bor­chardt“ nicht ab­lö­sen und auch nicht den „Grill Roy­al“, aber es ist schon jetzt, ein paar Wo­chen nach der Er­öff­nung, ein Muss in Mit­te.

Schon ein­mal, wäh­rend der Kunst-Bi­en­na­le 2006, ha­ben sich Kunst­in­ter­es­sier­te dort ge­drängt in den ehe­ma­li­gen Klas­sen­zim­mern der ver­las­se­nen, hoff­nungs­los ver­rot­te­ten Jü­di­schen Mäd­chen­schu­le in der Au­gust­stra­ße. Die aus­ge­stell­ten Ob­jek­te hat man be­zeich­nen­der­wei­se längst ver­ges­sen, nicht aber die­ses Ge­bäu­de aus den spä­ten 20ern mit sei­nem dunk­len Klin­ker, der stren­gen Fas­sa­de. Und auch das Er­schre­cken blieb: Der Schul­hof dien­te 1941 als Sam­mel­stel­le für De­por­ta­tio­nen. Alex­an­der Beer, der Schul­haus­ar­chi­tekt, starb im KZ The­re­si­en­stadt.

Wie wird aus ei­nem Er­in­ne­rungs­ort des Grau­ens ein Platz für Kunst und Ge­nuss? Wie so oft in Ber­lin: mit En­er­gie, Fan­ta­sie, und dem un­bän­di­gen Wil­len, aus Ver­gan­ge­nem Neu­es zu schaf­fen. In die­sem Fall war es Mi­cha­el Fuchs, der Ga­le­rist, der die Mäd­chen­schu­le von der Jü­di­schen Ge­mein­de mie­te­te, fünf Mil­lio­nen Euro ris­kier­te, Freun­de ani­mier­te. Die Re­stau­rie­rung ge­lang (Grün­tuch Ernst Ar­chi­tek­ten), die Schu­le mit ih­ren Pfei­lern und Ka­cheln lebt wie­der, ver­lor aber ihre be­drü­cken­de Enge. Und in den neu­en wei­ßen Stock­wer­ken - al­les Pro­fis! De­pen­dan­cen der Ga­le­ri­en Fuchs, Ei­gen+Art, Ca­me­ra Work, und im Par­terre Radc­zun/​Land­wehr/​Paul, die Ma­cher vom „Grill Roy­al“, mit Bar und Re­stau­rant. Und zur Er­öff­nung - ein Me­di­en­feu­er­werk! Fast alle über­re­gio­na­len Zei­tun­gen ha­ben be­rich­tet, mit­un­ter so­gar Spei­sen ge­lobt, die noch gar nicht auf der Kar­te ste­hen. Brad Pitt und An­ge­li­na Jo­lie wa­ren da. Und dann war kein Hal­ten mehr: Die Ber­li­ner Kunst­men­schen mar­schier­ten auf, schon jetzt muss man um Ti­sche in der ehe­ma­li­gen Turn­hal­le, dem „Pau­ly Saal“, kämp­fen. Denn das In­te­ri­eur, 40er-Jah­re-Stil mit Au­gen­zwin­kern, hat Charme. Und die Kon­zep­ti­on der Kü­che ist ge­ni­al. Weg von den hübsch an­ge­rich­te­ten Tel­lern, Spi­nat und Kar­tof­fel­brei kom­men wie­der aus guss­ei­ser­nen Töp­fen, es wird ge­sot­ten, ge­pö­kelt, ge­räu­chert und ge­schmort, der Bra­ten auf der Tran­chier­sta­ti­on vor den Gäs­ten zer­legt. Guts­haus­kü­che. Und im Kel­ler steht das Ein­ge­mach­te in Weck­glä­sern. Nach­hal­ti­ge Vor­rats­hal­tung. Wenn das nicht zeit­ge­mäß ist!

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 4/2012.