Kolumne

Willkommen, liebe Jil!

Kolumne Jil Sander ist eine Frau, die brannte und brennt. Und mit Leidenschaft kreiert.

Wenn ich auf Rei­sen bin, macht mich der An­blick der Stadt­zen­tren oft trau­rig. Übe­r­all die glei­chen Mo­bil­funk­an­bie­ter, die glei­chen Steak­häu­ser, die glei­chen Piz­za­ma­cher, die glei­chen Fast­food-Lo­ka­le, die glei­chen Dro­ge­rie­märk­te. Die meis­ten Städ­te ha­ben ihr Ge­sicht ver­lo­ren. Umso grö­ßer wird bei mir der Hun­ger auf das Un­ver­wech­sel­ba­re.

Wenn ich mir die Stars der Fern­seh­se­ri­en an­schaue, macht mich das nach­denk­lich. Eine Frau sieht aus wie die nächs­te, die glei­che Nase, die glei­chen Brüs­te, das glei­che Blond. Umso grö­ßer wird mein Be­dürf­nis nach Frau­en mit Pro­fil.

Ich weiß, mit sol­chen Sor­gen bin ich kei­nes­wegs al­lein. Es geht Mil­lio­nen Men­schen ge­nau­so wie mir. Und sie wer­den längst be­dient. Al­les Mög­li­che wird ih­nen als au­then­tisch ver­kauft. In den letz­ten Jah­ren ist das Au­then­ti­sche zu ei­nem be­lieb­ten Gü­te­sie­gel ge­wor­den. Wein, Haut­creme, Fisch­fond - al­les ver­kauft sich bes­ser, wenn ein Ge­sicht und ein per­sön­li­cher Name da­zu­ge­hö­ren. Das Ge­sicht und der Name sol­len sa­gen: Hier steht ein Mensch da­hin­ter, der dir ga­ran­tiert, dass die­ses Pro­dukt gut und echt und sau­ber ist. Lei­der ha­ben die­se Ge­sich­ter und Na­men oft mit der Her­stel­lung des Pro­dukts nicht das Ge­rings­te zu tun. Nur mit der Ver­mark­tung.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 4/2012.