Kommentar

Unheimlich mächtig

Kommentar Nie zuvor hatten die Notenbanker so viel zu sagen wie heute.

Dür­fen die das? Staa­ten ret­ten, Märk­te ma­ni­pu­lie­ren, Ban­ken stüt­zen, de­mo­kra­tisch ge­wähl­te Re­gie­run­gen be­ur­tei­len, grund­sätz­li­che po­li­ti­sche Kurs­be­stim­mun­gen vor­neh­men - es gibt der­zeit kaum Fel­der in der Euro-Po­li­tik, auf de­nen die No­ten­ban­ker nicht ge­wich­ti­ge Wor­te mit­re­den. Mehr noch: Die No­ten­ban­ker ge­hö­ren in­zwi­schen zu den mäch­tigs­ten Ak­teu­ren, gleich ne­ben der deut­schen Kanz­le­rin und dem fran­zö­si­schen Prä­si­den­ten. Ent­spre­chend selbst­be­wusst po­si­tio­nie­ren sie sich in der Öffent­lich­keit. Bun­des­bank-Chef Jens Weid­mann ist zum gro­ßen Mah­ner wi­der die Ver­ge­mein­schaf­tung von Schul­den ge­wor­den. Ma­rio Draghi, der Prä­si­dent der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB), dräng­te zu­nächst auf eine Zehn­jah­res­vi­si­on für den Euro-Raum; nun ist er maß­geb­lich dar­an be­tei­ligt, eine sol­che Per­spek­ti­ve zu er­ar­bei­ten. Zur Er­in­ne­rung: Draghi, Weid­mann und Co. sind Be­am­te. Sie wur­den ein­ge­stellt, ei­nen ge­setz­lich ziem­lich klar um­ris­se­nen Auf­trag zu er­fül­len (näm­lich pri­mär „Preis­sta­bi­li­tät“ zu ge­währ­leis­ten, wie es im EZB-Sta­tut heißt).

Noch mal die Fra­ge: Dür­fen die das?

Der ide­al­ty­pi­sche No­ten­ban­ker je­den­falls ist fast un­sicht­bar. Er hält sich an Sta­tis­ti­ken und ma­the­ma­ti­sche Mo­del­le. Er ist eine Art stil­ler Ma­schi­nist, der da­für sorgt, dass das volks­wirt­schaft­li­che Rä­der­werk gleich­mä­ßig vor sich hin surrt. Auf Grund­la­ge die­ses mo­ne­ta­ris­ti­schen Ide­al­bilds wur­de einst die Bun­des­bank und spä­ter das Euro-Sys­tem rund um die EZB ge­formt: Die Geld­be­hör­den sind dem Zu­griff von Par­la­men­ten und Re­gie­run­gen ent­zo­gen. Un­ab­hän­gig von po­li­ti­schen In­ter­es­sen und wirt­schaft­li­chen Zwän­gen sol­len sie ih­ren Auf­trag er­fül­len.

Sie lesen die Vorschau

Sie haben diese Ausgabe bereits gekauft oder ein digitales Abo? Dann melden Sie sich mit Ihrer manager-ID an, um den vollständigen Artikel zu lesen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 9/2012.