Kolumne

Fünf Tage ohne Internet

Hermann Simon über einen Selbstversuch der besonderen Art.

_____ Ich habe mich schon oft ge­fragt, wie die al­ten Rö­mer ihr weit­ver­zweig­tes Reich ver­wal­tet ha­ben. Es dau­er­te Wo­chen oder Mo­na­te, bis eine Nach­richt aus ent­le­ge­nen Pro­vin­zen die Zen­tra­le in Rom er­reich­te. Nicht viel bes­ser war es im Han­dels­reich von Ja­kob Fug­ger oder bei den welt­weit ak­ti­ven eng­li­schen und hol­län­di­schen Han­dels­ge­sell­schaf­ten im 17. Jahr­hun­dert. Na­po­le­on ver­bes­ser­te die Kom­mu­ni­ka­ti­on dem­ge­gen­über ent­schei­dend, in­dem er auf hoch ge­le­ge­nen Punk­ten Te­le­gra­fen­sta­tio­nen ein­rich­te­te, die Si­gna­le von Sta­ti­on zu Sta­ti­on wei­ter­ga­ben. So­gar in mei­nem Hei­mat­dorf in der Ei­fel gab es eine sol­che Sta­ti­on, sie lag auf ei­ner An­hö­he na­mens Eich und ist in al­ten Kar­ten als „Si­gnal d'Eich“ zu fin­den. Das 19. Jahr­hun­dert brach­te mit elek­tri­schem Te­le­gra­fen und Te­le­fon eine neue Tech­no­lo­gie, die rund 100 Jah­re un­ver­än­dert blieb. Als wir im Jahr 1985 Si­mon-Ku­cher & Part­ners grün­de­ten, war eine un­se­rer ers­ten An­schaf­fun­gen ein Te­lex­ge­rät, so­gar vor dem Fax, denn Fax­ge­rä­te wa­ren da­mals noch we­nig ver­brei­tet. Rund zehn Jah­re spä­ter be­gann dann das Zeit­al­ter der E-Mails.

Heu­te er­reicht uns jede Nach­richt per In­ter­net ohne zeit­li­che Ver­zö­ge­rung. Und ge­nau­so schnell kön­nen wir re­agie­ren. Das gilt für alle me­dia­len For­men, egal ob Text, Stim­me, Mu­sik, tech­ni­sche Zeich­nun­gen, Land­kar­ten, star­re oder be­weg­te Bil­der. Wenn ich auf Rei­sen bin, dik­tie­re ich viel, mai­le die­se Dik­ta­te an mein Büro, dort wer­den sie ge­schrie­ben - ein äu­ßerst be­que­mes und ef­fi­zi­en­tes Ver­fah­ren. Wir ha­ben uns in ei­nem sol­chen Maße an das stän­di­ge Ver­bun­den­sein mit der Welt ge­wöhnt, dass wir es kaum noch be­wusst re­flek­tie­ren. Ge­ra­de­zu zwang­haft schau­en wir alle paar Mi­nu­ten auf un­ser Smart­pho­ne (be­ob­ach­ten Sie das mal in Sit­zun­gen) und wer­den ner­vös, wenn wir nicht in kur­zen Zeit­ab­stän­den ei­nen neu­en In­for­ma­ti­ons­schuss aus dem In­ter­net er­hal­ten. Stän­dig wol­len wir uns up to date hal­ten.

_____ Zei­t­riss; ich bin ge­ra­de auf den Fi­dschi-In­seln ge­lan­det. Die­se In­sel­grup­pe liegt weit drau­ßen im Pa­zi­fik, fern­ab von al­len grö­ße­ren Län­dern. Ein Hub­schrau­ber bringt mich von der Haupt­in­sel auf ein win­zi­ges Ei­land, wo ich mich zwi­schen Ge­schäfts­ter­mi­nen in Ko­rea und Aus­tra­li­en fünf Tage er­ho­len will. Nach der An­kunft führt mich ei­ner mei­ner ers­ten Wege zur Re­zep­ti­on des Fe­ri­en­re­sorts, um mir das Pass­wort für den In­ter­net­zu­gang zu ho­len. Doch lei­der funk­tio­niert der Zu­gang auf mei­nem Com­pu­ter nicht. Der tech­ni­sche Ex­per­te, der so et­was be­he­ben kann, sitzt auf der Haupt­in­sel und kommt nur ein­mal in der Wo­che auf das klei­ne Ei­land. Auch un­se­re Com­pu­ter­ex­per­ten in Bonn, die ich te­le­fo­nisch kon­tak­tie­re, kön­nen man­gels In­ter­net­ver­bin­dung nicht auf mei­nen PC zu­grei­fen, um das Pro­blem zu be­he­ben. Mit mei­nem Smart­pho­ne habe ich eben­falls Pro­ble­me.

Sie lesen die Vorschau

Sie haben diese Ausgabe bereits gekauft oder ein digitales Abo? Dann melden Sie sich mit Ihrer manager-ID an, um den vollständigen Artikel zu lesen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 12/2013.