Kolumne

Big in Berlin

Hermann Simon sieht Deutschland unter den drei globalen Machtzentren.

_____ Wäh­rend ei­nes Abend­es­sens mit ei­nem pro­mi­nen­ten ame­ri­ka­ni­schen Di­plo­ma­ten wur­de die Fra­ge nach den glo­ba­len Macht­zen­tren in die Run­de ge­wor­fen. Ohne lan­ges Zö­gern ant­wor­te­te der ame­ri­ka­ni­sche Gast: „Wa­shing­ton, Pe­king und ... Ber­lin.“ Die elf deut­schen Gäs­te wa­ren er­staunt und hak­ten nach. Der Di­plo­mat be­grün­de­te sei­ne Ein­schät­zung wie folgt. Mos­kau ma­nö­vrie­re sich ge­ra­de in die Iso­la­ti­on und sei wirt­schaft­lich oh­ne­hin eine Quan­ti­té nég­li­ge­able, eine re­gio­na­le Macht eben, wie schon Prä­si­dent Oba­ma ge­sagt habe. Ja­pan drif­te eben­falls in die Iso­la­ti­on und sei von eher feind­lich ein­ge­stell­ten Län­dern um­zin­gelt. Brüs­sel wer­de auf ab­seh­ba­re Zeit nicht zu ei­nem glo­ba­len Power­zen­trum, da die eu­ro­päi­schen Staa­ten nicht zur Ab­ga­be wirk­li­cher Macht be­reit sei­en. Die­ses Va­ku­um fül­le Ber­lin als Haupt­stadt der mit Ab­stand stärks­ten Wirt­schafts­na­ti­on Eu­ro­pas. Und wo bit­te sol­le man sonst noch su­chen? In In­di­en, Bra­si­li­en, In­do­ne­si­en, Afri­ka? No way!

Da muss man als Deut­scher erst ein­mal tief durch­at­men. Denn eine Rol­le als glo­ba­les Macht­zen­trum lässt in uns seit der Ka­ta­stro­phe des Zwei­ten Welt­kriegs ge­misch­te Ge­füh­le auf­stei­gen. Wir ha­ben uns ge­müt­lich da­mit ein­ge­rich­tet, dass es uns gut geht und wir we­nig Ver­ant­wor­tung in der Welt über­neh­men müs­sen. Dass wir da­bei auf Macht und Ein­fluss ver­zich­ten muss­ten, er­schien uns nicht als gro­ße Ent­beh­rung. Doch po­li­ti­sche Stär­ke er­wächst letzt­lich aus wirt­schaft­li­cher, tech­no­lo­gi­scher und wis­sen­schaft­li­cher Kraft. Und hier ist Deutsch­land zu ei­nem Mit­spie­ler ge­wor­den, von dem die an­de­ren zu­neh­mend mehr for­dern. Der Auf­ruf des Bun­des­prä­si­den­ten, die­se Rol­le an­zu­neh­men, passt in die Zeit.

Wo ste­hen wir re­la­tiv zu an­de­ren Na­tio­nen? Und wo wer­den wir in Zu­kunft ste­hen? Die­se kom­ple­xen Fra­gen las­sen sich nicht ab­schlie­ßend be­ant­wor­ten. In der ne­ben­ste­hen­den Ta­bel­le ist eine Aus­wahl von vier In­di­ka­to­ren dar­ge­stellt. Ich habe da­bei be­wusst zwei Kenn­zah­len aus­ge­wählt, die pri­mär die heu­ti­ge wirt­schaft­li­che Macht­po­si­ti­on dar­stel­len, näm­lich Brut­to­in­lands­pro­dukt und Ex­por­te. Die Ex­port­zah­len be­zie­hen sich auf ei­nen Zehn­jah­res­zeit­raum. Die In­di­ka­to­ren Eu­ro­päi­sche Pa­ten­te so­wie wis­sen­schaft­li­che Pu­bli­ka­tio­nen und wis­sen­schaft­li­che No­bel­prei­se seit dem Jahr 2000 ge­ben Auf­schluss über die zu­künf­ti­ge Wirt­schafts­stär­ke. Ich be­an­spru­che nicht, mit die­sen we­ni­gen Zah­len wirt­schaft­li­che und in­di­rekt po­li­ti­sche Macht um­fas­send zu mes­sen. Ich habe aber die Er­fah­rung ge­macht, dass man der Wirk­lich­keit mit we­ni­gen Kenn­zif­fern zu wich­ti­gen Kom­pe­ten­zen recht na­he­kommt.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 6/2014.