Magisches viereck

Viel Kohle, wenig Geist

Der Zeitpunkt für eine Klimawende könnte besser nicht sein. Wir verheizen unser Geld ja eh nur.

Hen­rik Mül­ler ist Pro­fes­sor für wirt­schafts­po­li­ti­schen Jour­na­lis­mus an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Dort­mund

Zuerst das Po­si­ti­ve: Vie­le Län­der wirt­schaf­ten heu­te viel sau­be­rer als frü­her. Um ein Drit­tel ist die Ver­schmut­zungs­in­ten­si­tät in den OECD-Län­dern seit 1990 zu­rück­ge­gan­gen. Im Schnitt sto­ßen sie heu­te 0,4 Ki­lo­gramm an kli­ma­schäd­li­chen Ga­sen aus, wenn sie 1000 Dol­lar Brut­to­in­lands­pro­dukt (BIP) er­wirt­schaf­ten. An­ders­wo ging die gro­ße Säu­be­rung noch ra­scher vor­an: Russ­lands Kli­main­ten­si­tät etwa ist seit dem Zu­sam­men­bruch der So­wjet­wirt­schaft auf ein Zehn­tel ge­sun­ken.

Und nun das Ne­ga­ti­ve: Geht es in die­sem Tem­po wei­ter, ist die Kli­ma­ka­ta­stro­phe un­aus­weich­lich. Ab­so­lut ge­se­hen, bläst die Welt­wirt­schaft heu­te näm­lich auf­ad­diert rund 50 Pro­zent mehr Treib­haus­ga­se in die At­mo­sphä­re als 1990. Um auf ei­nen halb­wegs si­che­ren Pfad zu ge­lan­gen, müss­te der Aus­stoß nicht nur re­la­tiv zur Wirt­schafts­leis­tung zu­rück­ge­hen, son­dern auch ab­so­lut – und zwar kräf­tig. Die Mo­del­le der Kli­ma­for­scher kom­men zu dem Er­geb­nis, dass die Emis­sio­nen bis 2050 um etwa zwei Drit­tel sin­ken müss­ten (sie­he Gra­fik). Nur dann gäbe es eine fai­re Chan­ce, den glo­ba­len Tem­pe­ra­tur­an­stieg auf zwei Grad zu be­gren­zen.

So oder so, die Mensch­heit steht vor ei­ner epo­cha­len Wen­de. Ent­we­der kommt es bin­nen ei­ner Ge­ne­ra­ti­on zu ei­ner kli­ma­freund­li­chen Re­vo­lu­ti­on. Oder der Kli­ma­wan­del selbst wird das Le­ben auf der Erde voll­kom­men ver­än­dern, sehr wahr­schein­lich zum Schlech­te­ren. Bei der Pa­ri­ser Kli­ma­kon­fe­renz im De­zem­ber geht es dar­um, ei­nen ent­schei­den­den Schritt zu ma­chen, hin zu ei­nem ver­bind­li­chen glo­ba­len Ab­kom­men.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 12/2015.