LEBEN

Das Lausbub­prinzip

INSIDER Bücher über Finanzkrisen oder den Hochfrequenzhandel machten Michael Lewis zum Schrecken der Wall Street. Seine Masche: Er sucht nach den Außenseitern. Genau das macht seine Erzählungen so explosiv.

Ak­ti­en­han­del ist ein biss­chen wie Por­no: Viel­leicht mö­gen Frau­en es, aber längst nicht so sehr wie Män­ner. Und sie ge­hen do­sier­ter mit der­lei mo­ra­lisch Grau­wer­ti­gem um. Des­halb, Mi­cha­el Le­wis lehnt sich zu­rück, um die Poin­te ent­spannt zu zün­den, „soll­ten nur Frau­en an der Bör­se han­deln“. Am bes­ten net­te äl­te­re Da­men, be­vor­zugt im Riskma­nage­ment: „Ihre Ent­schei­dun­gen wer­den lang­wei­li­ger, aber so­zi­al ver­träg­li­cher sein.“ Und nie­mand soll­te, zwei­tens, mit Fonds und De­ri­va­ten um sich wer­fen, der jün­ger als 35 Jah­re ist.

Die Wall Street, die­ser Hot­spot der Hab­gier, könn­te ein wirk­lich net­tes Fleck­chen sein, wür­de nur Wirk­lich­keit aus Le­wis' Wunsch­zet­tel. Ge­gen die Fens­ter von „Sau­l's Deli“ in Ber­ke­ley klatscht seit Mo­na­ten der Re­gen. Näs­se und graue Far­ben, für ka­li­for­ni­sche Ver­hält­nis­se ist das ein In­fer­no. Drin­nen hat Le­wis, stu­dier­ter Kunst­his­to­ri­ker, ehe­ma­li­ger In­vest­ment­ban­ker und ak­tu­el­ler Star­jour­na­list so­wie Best­sel­ler­au­tor, bes­te Lau­ne.

Was am Rühr­ei mit Sa­la­mi und Voll­korn­brot lie­gen mag, das er ge­or­dert hat. Oder weil das „Sau­l's“ mit sei­nem schwarz-wei­ßen Ka­chel­bo­den und den Ku­gellam­pen un­ter ho­hen De­cken sein „Ba­sis­la­ger“ ist, wie er es nennt. Von hier aus star­tet sein Lieb­lings­wan­der­weg in die Hü­gel ober­halb Ber­ke­leys, hier kann er, wie heu­te, in Jog­ging­ho­se, Funk­ti­ons­shirt und Snea­kers auf­kreu­zen.

Sie lesen die Vorschau

Sie haben diese Ausgabe bereits gekauft oder ein digitales Abo? Dann melden Sie sich mit Ihrer manager-ID an, um den vollständigen Artikel zu lesen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 3/2015.