Unternehmen

Verrückt nach André

Antoni Sie bescherten der Zunft die heißeste Story der Saison: Jetzt müssen André Kemper und Tonio Kröger liefern. Was die beiden Extremwerber mit ihrem Exklusivkunden Mercedes vorhaben.

Herr­scher in Ka­ka­ni­en Die An­to­ni-Grün­der An­dré Kem­per (links) und To­nio Krö­ger sol­len den Stern wie­der auf­po­lie­ren

007, eine Num­mer klei­ner hat es An­dré Kem­per (52) ge­ra­de nicht. Mer­ce­des-Benz will sich neu er­fin­den, Kem­per und sein Kom­pa­gnon To­nio Krö­ger (50) sol­len das wup­pen, und wer könn­te da­bei in­spi­rie­ren­der sein als Ja­mes Bond? „Mer­ce­des ist ex­trem er­folg­reich un­ter­wegs“, sagt Kem­per. „Wann, wenn nicht jetzt, ist die Zeit für mehr Mut, Cha­rak­ter und Über­ra­schungs­ef­fekt in der Mar­ke?“ So wie im Film „Sky­fall“, der dem un­fehl­ba­ren Ge­heim­agen­ten im Diens­te Ih­rer Ma­jes­tät erst­mals mehr Här­te ver­pass­te, Kan­ten und Er­dung.

In der Ber­li­ner Münz­stra­ße, da wo Mit­te am mit­tigs­ten ist, strö­men Cha­ri­tea-Trin­ker und Hea­vy Ins­ta­gram­mer durch die Stra­ßen. Ein paar Stock­wer­ke hö­her im An­to­ni-Büro sitzt Kem­per, schwärmt von Au­tos, die in La­tex ver­packt wer­den, springt naht­los zu Mar­vel-Ver­fil­mun­gen und wie­der zu­rück zu 007, des­sen Image­wan­del zeigt, wie ra­di­kal und in­tel­li­gent sich eine Mar­ke ver­än­dern lässt: „In Stutt­gart ist die Be­reit­schaft da, et­was zu wa­gen.“

Die braucht es auch. Denn die Ope­ra­ti­on An­to­ni, der Bau ei­ner auf die Be­dürf­nis­se von Mer­ce­des zu­ge­schnit­te­nen Agen­tur, star­te­te am lo­gis­ti­schen Null­punkt, ohne In­fra­struk­tur, „nur mit un­se­rem Wis­sen, un­se­rer Er­fah­rung und ei­nem Smart­pho­ne“, wie Krö­ger sagt. Er­dacht, in Sze­ne ge­setzt und ge­führt von zwei Ex­trem­wer­bern durch­aus ei­gen­wil­li­gen Cha­rak­ters. Män­ner in den bes­ten Jah­ren, de­nen ein gu­ter Spot al­le­mal mehr sagt als noch so oft ge­teil­te Tweets. Sie könn­ten Wer­be­ge­schich­te schrei­ben – aber auch wie zwei lose Ka­no­nen über die Re­kla­me-Fre­gat­te schlit­tern. Es ist ein ge­wag­tes Ex­pe­ri­ment. Oder wie Kem­per sagt, Bran­chen-Rock­star und Hob­by­bo­xer: „Ziem­lich durch­ge­knallt, sich die­sem Aben­teu­er zu stel­len.“

Unternehmen

Smarte Tänzer, rechte Läufer

BBDO ist Siegeragentur im turbulenten Kreativjahr 2015.

Fuß­gän­ger­am­peln sind ner­vig – und ge­fähr­lich, weil Men­schen nicht lan­ge ge­nug war­ten und zu schnell auf die Stra­ße lau­fen. Es sei denn, das rote Am­pel­männ­chen be­ginnt plötz­lich zu tan­zen, und das War­ten macht Spaß. Wie im Wer­be­film „Dan­cing Traf­fic Light“, mit dem Smart sich des The­mas Ver­kehrs­si­cher­heit an­nimmt. Aus­ge­dacht ha­ben sich die tan­zen­den Ver­kehrs­fi­gu­ren die Wer­ber von BBDO, seit Län­ge­rem schon ver­hal­tens­auf­fäl­lig mit fre­chen Spots für den Au­to­her­stel­ler.

Nicht zu­letzt dank die­ses Spots und der da­für ein­ge­heims­ten Prei­se steht BBDO zum zwei­ten Mal nach 2013 an der Spit­ze des Krea­tiv-In­dex von ma­na­ger ma­ga­zin. Vor­jah­res­sie­ger Jung von Matt mach­te 2015 wie­der Wett­be­werbs­pau­se. BBDO Deutsch­land da­ge­gen, mit rund 500 Mil­lio­nen Euro Um­satz 2014 ein Re­kla­me­schwer­ge­wicht, greift krea­tiv an. „Kun­den schät­zen in­no­va­ti­ve Ide­en und Krea­tio­nen. In den Ran­kings ha­ben wir uns auf den vor­de­ren Plät­zen fest­ge­setzt“, sagt der Chef­krea­ti­ve Wolf­gang Schnei­der.

Zum Ge­sprächs­stoff des Jah­res 2015 aber wur­de – ne­ben dem Skan­dal um Tho­mas Strerath und Ef­fie-Ma­ni­pu­la­tio­nen – das Lob für die Pro-Bono-Kam­pa­gne „Rechts ge­gen Rechts“. Sie mach­te aus ei­nem Neo­na­zi-Auf­marsch in Wun­sie­del ei­nen un­frei­wil­li­gen Spen­den­lauf. Für je­den zu­rück­ge­leg­ten rechts­ra­di­ka­len Me­ter gin­gen zehn Euro an das Nazi-Aus­stei­ger­pro­gramm „Exit – Deutsch­land“, ins­ge­samt mehr als 10 000 Euro.

Sie lesen die Vorschau

Sie haben diese Ausgabe bereits gekauft oder ein digitales Abo? Dann melden Sie sich mit Ihrer manager-ID an, um den vollständigen Artikel zu lesen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 1/2016.