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Rettet den Kapitalismus vor den Kapitalisten

Globalisierung Konzerne agieren als Steuertrickser. Start-ups mutieren zu Monopolisten. Banken manipulieren Märkte und Autokonzerne Motoren. Das System der freien Märkte verliert seine Reputation. Es ist an der Zeit, mit den Exzessen aufzuräumen.

Am 22. Ok­to­ber vor zwei Jah­ren war Mar­g­re­the Ves­ta­ger (48) die mit Ab­stand in­ter­es­san­tes­te Per­son im Ple­nar­saal des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments in Straß­burg. Grau­er Bla­zer, auf­fäl­li­ge wei­ße Hals­ket­te, die von Grau durch­zo­ge­nen schwar­zen Haa­re kurz ge­schnit­ten, Toch­ter ei­nes Pas­to­ren­paa­res aus Jüt­land und Ur­ur­en­ke­lin des Grün­ders der dä­ni­schen So­zi­al­li­be­ra­len. Die neue EU-Kom­mis­si­on war zur An­hö­rung ge­kom­men, ex­akt zehn Tage spä­ter soll­te Ves­ta­ger das ein­fluss­reichs­te Amt über­neh­men, das Brüs­sel zu bie­ten hat: das Ober­kom­man­do über Eu­ro­pas Wett­be­werbs­be­hör­de.

Mit wel­chem Ty­pus Po­li­ti­ker sie es zu tun be­kom­men wür­den, hät­ten die Par­la­men­ta­ri­er lan­ge vor­her und auf we­sent­lich un­ter­halt­sa­me­re Art und Wei­se in Er­fah­rung brin­gen kön­nen. Die Kar­rie­re der stu­dier­ten Öko­no­min dien­te dem Ko­pen­ha­ge­ner Fern­seh­sen­der DR1 als Vor­la­ge für die Po­lit­serie „Bor­gen“. Eine Art dä­ni­sches „Hou­se of Cards“, wo die Haupt­fi­gur als skan­di­na­vi­scher Ge­gen­ent­wurf zum Po­lit­dä­mo­nen Frank Un­der­wood die Strip­pen zieht – un­kon­ven­tio­nell, durch­set­zungs­stark und den­noch prin­zi­pi­en­fest. Ves­ta­ger ließ sich von der Haupt­dar­stel­le­rin be­glei­ten, die Dreh­buch­au­to­ren nah­men An­lei­hen bei Stil und Auf­tritt der frü­he­ren dä­ni­schen In­nen- und Wirt­schafts­mi­nis­te­rin.

Was das Dra­ma­po­ten­zi­al be­trifft, kann das Ori­gi­nal mit sei­ner Fern­seh­ver­si­on durch­aus mit­hal­ten. Seit Ves­ta­ger im Amt ist, leg­te sie sich mit Gaz­prom, Star­bucks und Mc­Do­nal­d's an, ver­häng­te ge­gen Eu­ro­pas Lkw-Bau­er eine Kar­tell­stra­fe in Re­kord­hö­he und er­öff­ne­te ge­gen den Such­ma­schi­nen­gi­gan­ten Goog­le gleich drei se­pa­ra­te Ver­fah­ren. Ach ja, und von App­le for­dert sie 13 Mil­li­ar­den Euro Steu­er­nach­zah­lun­gen.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 11/2016.