Magisches viereck

Die verpasste Jahrhun­dert­chance

Die Flüchtlingskrise hat die Debatte über eine vernünftige Zuwanderungspolitik vergiftet. Deutschland vertut kostbare Zeit.

Hen­rik Mül­ler ist Pro­fes­sor für wirt­schafts­po­li­ti­schen Jour­na­lis­mus an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Dort­mund.

Begin­nen wir mit ei­ner Vor­her­sa­ge: Auf Jah­re wird eine ver­nünf­ti­ge De­bat­te über Ein­wan­de­rungs­po­li­tik nicht mehr mög­lich sein. Die Chan­ce ist ver­tan. All das Ge­re­de über Gren­zen – Gren­zen der Be­last­bar­keit, Ober­gren­zen für Zu­wan­de­rung, Si­che­rung der deut­schen Au­ßen­gren­zen – hat die Stim­mung ver­gif­tet. Kaum ein Po­li­ti­ker wird sich noch an das The­ma her­an­trau­en. Mehr­hei­ten für ei­nen ge­ziel­ten Zu­zug in den deut­schen Ar­beits­markt sind nicht mehr or­ga­ni­sier­bar.

Da­bei sah es noch im vo­ri­gen Jahr so gut aus. Erst­mals gab es ei­nen brei­ten Kon­sens, dass die Bun­des­re­pu­blik ein Ein­wan­de­rungs­land ist, dass sie Zu­wan­de­rung braucht – mehr noch: dass sie Frem­de im Land will­kom­men hei­ßen will. Die ers­te Eu­pho­rie der Flücht­ling­hel­fer hat­te nicht nur An­ge­la Mer­kel an­ge­steckt, son­dern auch die Wirt­schaft. Plötz­lich schien mög­lich, was vie­le Jah­re zu­vor un­mög­lich war. Deutsch­land hat­te wie­der eine lang­fris­ti­ge öko­no­mi­sche Per­spek­ti­ve, weil sich der Be­völ­ke­rungs­schwund durch eine ver­stärk­te Im­mi­gra­ti­on auf­hal­ten lie­ße.

Dann kipp­te die Stim­mung. Die Überg­rif­fe vom Köl­ner Dom­platz in der Sil­ves­ter­nacht, die An­schlä­ge durch Zu­wan­de­rer, die Über­for­de­rung der Be­hör­den, die Wahl­er­fol­ge der AfD – die eine Mil­li­on Flücht­lin­ge, die 2015 in die Bun­des­re­pu­blik kam, schie­nen das Land zu er­drü­cken. Auch in Groß­bri­tan­ni­en zeig­te das von Über­frem­dungs­angst ge­trie­be­ne Brex­it-Re­fe­ren­dum die po­li­ti­sche Spreng­kraft des The­mas.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 11/2016.