Standort D

Deutschland auf Tauchfahrt

Standort D Die Selbstzufriedenheit der Wirtschaft könnte schon bald ins Gegenteil umschlagen. Denn die Industrie hat ihre besten Zeiten hinter sich, das auf den Export ausgerichtete Modell ist ausgereizt, China verliert seine Sogkraft und wird immer mehr zum großen Rivalen.

Im Kern ge­fähr­det An der Au­to­in­dus­trie hängt das Wohl und Wehe der deut­schen Wirt­schaft. In­klu­si­ve Zu­lie­fe­rern ar­bei­tet in dem Sek­tor je­der sieb­te Be­schäf­tig­te, 19 Pro­zent al­ler Ex­por­te ent­fal­len auf Fahr­zeu­ge. Nun steht die Bran­che vor ei­ner Zä­sur: Der Wachs­tums­rausch in Chi­na ebbt ab, der Trend zu E-Mo­bi­li­tät und au­to­no­mem Fah­ren stellt die deut­sche In­ge­nieurs­kunst in­fra­ge.

Es gab mal eine Zeit – Ende der 90er Jah­re –, da wur­de der Ka­len­der des In­dus­trie­prä­si­den­ten nicht in sei­nem Büro ge­führt, son­dern in den Re­dak­tio­nen der Talk­shows. Prak­tisch im Wo­chen­takt saß der da­ma­li­ge BDI-Chef Hans-Olaf Hen­kel (76) in ir­gend­ei­ner Fern­sehrun­de, stritt bei bes­ten Ein­schalt­quo­ten, wie die deut­sche Wirt­schaft noch zu ret­ten sei. Sein heu­ti­ger Nach­fol­ger Ul­rich Gril­lo (56) ist vor der­lei Nach­stel­lun­gen si­cher. Die Zahl der TV-An­fra­gen nach BDI-Ver­tre­tern soll 2015 ein­stel­lig ge­we­sen sein. Das The­ma will kei­ner. Es geht uns doch so gut.

Trotz Euro-Kri­se, trotz Flücht­lings­dra­ma – Deutsch­land gilt seit Jah­ren wie­der als Mus­ter­land, als Hort der Sta­bi­li­tät in ei­nem zer­fal­len­den Eu­ro­pa. Die Ar­beits­lo­sig­keit ist so nied­rig wie lan­ge nicht mehr, der Bund er­zielt sat­te Über­schüs­se. Ge­tra­gen wird die Wirt­schaft von ei­ner star­ken In­dus­trie­ba­sis, dem gan­zen Stolz der Re­pu­blik. Das ver­ar­bei­ten­de Ge­wer­be steu­ert bis heu­te 22,6 Pro­zent zur Wert­schöp­fung bei, das ist ver­gli­chen mit an­de­ren hoch ent­wi­ckel­ten Län­dern ein fast dop­pelt so ho­her An­teil (sie­he Gra­fik "Fa­brik D"), der sonst nur von schnell wach­sen­den Schwel­len­län­dern er­reicht wird. Die an­hal­tend ho­hen Ex­por­te (die Aus­fuhr­quo­te liegt bei ex­or­bi­tan­ten 39 Pro­zent) sug­ge­rie­ren, dass die Un­ter­neh­men al­les rich­tig ma­chen.

Da kommt Selbst­ge­wiss­heit auf. Oder eine ge­fähr­li­che Selbst­täu­schung, wie im­mer mehr Ex­per­ten mei­nen: „Wir un­ter­lie­gen ei­ner Wohl­stand­sil­lu­si­on“, warnt der Ber­li­ner Öko­nom und Ex-Un­ter­neh­mens­be­ra­ter Da­ni­el Stel­ter (51).

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 6/2016.