EDITORIAL

Ein unwider­steh­licher Sommer

STEF­FEN KLUS­MANN Chef­re­dak­teur

EINE NOTLÖSUNG kann sich manch­mal auch als Voll­tref­fer her­aus­stel­len. Beim Ho­tel­por­tal Boo­king.com war das so. Ei­gent­lich hät­te der US-Kon­zern Pri­ce­li­ne Mit­te der 2000er Jah­re gern die Rei­se­sei­te Ve­ne­re aus Ita­li­en ge­kauft. Doch die war schon mit dem Ri­va­len Ex­pe­dia li­iert. Es blieb nur die­ses häss­li­che Por­tal aus Ams­ter­dam. Ein un­ge­woll­ter Glücks­griff. Ve­ne­re wur­de ein­ge­stellt, Boo­king.com stieg zu ei­nem Goog­le des Rei­sens auf. Kein Tou­ris­tik­kon­zern ist so mäch­tig, pro­fi­ta­bel und wert­voll wie die Hol­län­der mit der ame­ri­ka­ni­schen Mut­ter. Und kei­ner weckt mehr Ängs­te vor ei­nem neu­en, glo­ba­len Mo­no­pol. Was Boo­king.com so un­wi­der­steh­lich und ge­fähr­lich macht, le­sen Sie in der Ti­tel­ge­schich­te von Mi­cha­el Machatsch­ke ab hier.

HEN­DRIK RIEH­MER, die trei­ben­de Kraft hin­ter der wil­den Ex­pan­si­on der Ham­bur­ger Pri­vat­bank Be­ren­berg, ist Ram­pen­sau und Phan­tom zu­gleich. Wäh­rend er im Han­dels­saal zum Der­wisch wird, sucht man ihn auf den Som­mer­fes­ten der deut­schen Wirt­schaft ver­ge­bens, klas­si­sches Net­wor­king ist ihm zu­wi­der. Was dem Deal­f­low nicht nützt, fliegt aus dem Ka­len­der. Ent­spre­chend re­ser­viert re­agier­te er auf die Por­trät­an­fra­ge mei­ner Kol­le­gen Tim Bartz und Sven Clau­sen. Als er sich doch ent­schloss mit­zu­ma­chen, ließ er sich tief in die See­le bli­cken. So ge­lang den bei­den eine be­ein­dru­cken­de Nah­auf­nah­me von ei­nem, der sich vom Schal­ter­an­ge­stell­ten der Ham­bur­ger Spar­kas­se zum best­be­zahl­ten Ban­ker der Re­pu­blik hoch­kämpf­te, der alle am liebs­ten duzt, bei Gän­se­kü­ken schwach wird und mit 1500 Ka­lo­ri­en am Tag aus­kommt. „The Wolf of Jung­fern­stieg“, ab hier.

DIS­RUP­TI­ON IST KEI­NE DEUT­SCHE DIS­ZI­PLIN. Das ha­ben mei­ne Kol­le­gen Phil­ipp Al­va­res, Mi­cha­el Krö­her und Chris­ti­an Schüt­te ein­mal mehr fest­ge­stellt, als sie re­cher­chier­ten, wie Ber­lin und Pa­ris die Di­gi­ta­li­sie­rung vor­an­trei­ben. Wäh­rend Em­ma­nu­el Ma­cron ge­mein­sam mit dem Tech-Mil­li­ar­där Xa­vier Niel eine welt­weit be­ach­te­te Di­gi­ta­lof­fen­si­ve star­tet und da­heim von der Sze­ne als Mes­sias ge­fei­ert wird, über­lässt die Bun­des­re­gie­rung das The­ma weit­ge­hend sich selbst. Die Ge­gend um Karls­ru­he und Saar­brü­cken etwa gilt dank ih­rer Topfor­scher zwar als füh­rend bei künst­li­cher In­tel­li­genz, nur für die Kom­mer­zia­li­sie­rung der Ide­en scheint mal wie­der kei­ner zu­stän­dig. Sie steckt im fö­de­ra­len Pro­vin­zia­lis­mus fest. Ge­ra­de­zu fahr­läs­sig für ein Land, das sein Schick­sal an die Neu­er­fin­dung sei­ner In­dus­trie knüpft (4.0, Sie er­in­nern sich). Viel­leicht re­den ja auch wir bald nur noch ehr­fürch­tig von Ma­cro­no­mics, ab hier.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 8/2017.