STYLE COUNCIL

Overdressed? Na hoffentlich!

HANS-WER­NER MEY­ER über Klei­dungs­stil als State­ment.

Eine mei­ner Lieb­lings­zei­len von Udo Lin­den­berg lau­tet: Vor dir zieh ich mei­nen Hut. Die­se form­voll­ende­te Ges­te der Re­spektsbe­kun­dung stammt aus ei­ner Zeit, als Män­ner sich noch nackt fühl­ten, wenn sie ohne Hut das Haus ver­lie­ßen. Der schö­ne alte Spruch „Lie­ber eine Bü­gel­fal­te ohne Hose als eine Hose ohne Bü­gel­fal­te“ be­sitzt für mich auch heu­te noch Gül­tig­keit. Es gibt Si­tua­tio­nen, in de­nen Klei­dung ri­tu­el­len Zwe­cken dient, in de­nen das Wort „Stil“ noch eine Be­deu­tung hat.

In mei­ner Bran­che ist das in­zwi­schen al­les an­de­re als selbst­ver­ständ­lich. Da wird Be­quem­lich­keit gern mit Cool­ness ver­wech­selt und der Drang, Kan­te zu zei­gen, mit Non­kon­for­mis­mus. Re­spekt zu be­kun­den, Freu­de und Zu­nei­gung zu zei­gen ist kom­pli­ziert ge­wor­den in un­se­ren form­feind­li­chen Ta­gen. Um auf­zu­ste­hen, ei­nen Toast aus­zu­brin­gen oder eine Rede auf je­man­den zu hal­ten, braucht es mitt­ler­wei­le schon fast Mut.

Neu­lich habe ich auf ei­ner Preis­ver­lei­hung der Mu­sik­bran­che eine Lau­da­tio ge­hal­ten. Ich war um­ge­ben von lau­ter Su­per­stars der Pop­mu­sik und fühl­te mich ge­ehrt, die­sen groß­ar­ti­gen Mu­si­kern mei­nen Re­spekt zol­len zu dür­fen. Al­ler­dings ge­riet ich in Ver­le­gen­heit, weil ich die Herr­schaf­ten vi­su­ell gar nicht von­ein­an­der un­ter­schei­den konn­te. Sie sa­hen alle gleich aus: Drei­ta­ge­bart, dun­kel­graue Jeans, dunk­les Schlab­ber­hemd, die eine oder an­de­re Ba­se­cap, Jungs von ne­ben­an eben, die sich läs­sig ihre Tro­phäe ab­hol­ten.

Sie lesen die Vorschau

Sie haben diese Ausgabe bereits gekauft oder ein digitales Abo? Dann melden Sie sich mit Ihrer manager-ID an, um den vollständigen Artikel zu lesen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 8/2017.