FÜHRUNGSZEUGNIS

Leben und arbeiten lassen

Eine zähe Work-Life-Balance-Soße droht Deutschland zu lähmen. Sie nimmt Leistungsträgern die Freiheit, sich zu verwirklichen.
Von Thomas Sattelberger

Roh­stoff­prei­se, Euro und Zin­sen sind künst­lich nied­rig, die Ex­port­über­schüs­se hoch, Wett­be­werb kann so schön sein, wenn man ge­dopt ist. Doch grad wen­n's am schöns­ten ist, soll­ten wir un­ru­hig wer­den, da­mit wir uns nicht in ei­ner Wohl­fühl­bla­se ver­lie­ren. Eine Zu­kunft ein­ge­klemmt zwi­schen dem „Di­gi­tal Hou­se“ USA und dem Ma­schi­nen­raum Chi­na kann sehr un­ge­müt­lich wer­den.

Vor al­lem dür­fen wir uns nicht selbst brem­sen – so wie mit der viel zu stren­gen, nor­mie­ren­den De­bat­te über die so­ge­nann­te Work-Life-Ba­lan­ce, die aus der vor­di­gi­ta­len Zeit stammt und sich der­zeit wie eine zähe Soße läh­mend über Ge­sell­schaft und Un­ter­neh­men er­gießt. Schon der Be­griff Work-Life-Ba­lan­ce führt in die Irre, da er un­ter­stellt, Ar­beit sei kein Le­ben.

WIR HA­BEN SO VIE­LE JOBS WIE NIE, aber nir­gends wird im Schnitt auch so we­nig ge­ar­bei­tet (habe ich kürz­lich dem ma­na­ger ma­ga­zin ent­nom­men). Eine Brem­se für neu­es Wachs­tum. Ich gehe ei­nen Schritt wei­ter: Es darf in­di­vi­du­ell ru­hig mal we­ni­ger ge­ar­bei­tet wer­den, aber es muss mög­lich sein ran­zu­klot­zen, wenn es nö­tig ist oder von Un­ter­neh­men und – Ach­tung! – Mit­ar­bei­tern ge­wünscht wird. Wir soll­ten uns hü­ten vor dem Geist, den die Idee der da­ma­li­gen Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Ma­nue­la Schwe­sig at­me­te: voll­zeit­na­he Be­schäf­ti­gung, Fa­mi­li­en­ar­beits­zeit, in der El­tern bei­de 32 Stun­den ar­bei­ten (müs­sen) und da­für ei­nen fi­nan­zi­el­len Aus­gleich vom Staat be­kom­men.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 9/2017.