TOP 100

DIE KAUFHAUS­TRAI­NERIN

KARSTADT COO Claudia Reinery soll den Warenhausdino vor Amazon retten.

EIN­MAL DOU­GLAS UND ZURÜCK Wa­ren­häu­ser sind Clau­dia Rei­ne­rys Pas­si­on

Sieht so ein Ur­ge­stein des deut­schen Wa­ren­haus­we­sens aus? So recht passt die­se Be­griff­lich­keit nicht zu Clau­dia Rei­ne­ry (51), ob­wohl sie fach­lich alle Qua­li­fi­ka­tio­nen mit­bringt. Fast ihre gan­ze Kar­rie­re, die nun­mehr 26 Jah­re währt, hat sie bei Kar­stadt und Kauf­hof ver­bracht – un­ter­bro­chen nur von vier Jah­ren bei Dou­glas, was auch kei­ne ver­ta­ne Zeit war.

Seit Sep­tem­ber 2017 steht sie als Chief Ope­ra­ting Of­fi­cer von Kar­stadt vor der wohl größ­ten Her­aus­for­de­rung im deut­schen Ein­zel­han­del: dem Wan­del des Wa­ren­haus­di­nos zum Om­nichan­nel-An­bie­ter. Zu ei­nem Un­ter­neh­men also, das es so­wohl mit Ama­zon, Za­lan­do & Co. als auch mit dem in­ner­städ­ti­schen Fach­ein­zel­han­del wie Dou­glas oder Zara auf­neh­men kann. Rei­ne­ry ist zu­stän­dig für Ein­kauf, Mar­ke­ting und Ver­trieb und ver­ant­wor­tet da­mit sämt­li­che Schlüs­sel­po­si­tio­nen, eine un­ge­wöhn­li­che Macht­fül­le.

Die un­prä­ten­tiö­se Mul­ti­tas­ke­rin geht die ge­wal­ti­ge Auf­ga­be mit fast ju­gend­li­chem Elan an. Die größ­ten Pro­ble­me hat ihr Kar­stadt-Chef Ste­phan Fan­derl (54) be­reits ab­ge­räumt, sie kann nun dar­an ar­bei­ten, Kon­zep­te wie Who's per­fect (De­si­gner­mö­bel) oder Fahr­rad.de ins Wa­ren­haus zu brin­gen. Letz­te­res ge­hört zum On­lin­e­port­fo­lio des Kar­stadt-Eig­ners Si­gna, hin­ter dem der Öster­rei­cher René Ben­ko (40) steht.

TOP 100

OETKERS GELDLADY

BANKHAUS LAMPE Ute Gerbaulet, erste Frau im Eignerkreis der Privatbank.

PER RAD ZUR AR­BEITUte Ger­bau­let ma­g's gern sta­tus­frei

Als sie noch das Ak­ti­en­ge­schäft der Com­merz­bank lei­te­te, galt Ute Ger­bau­let (49) als eine der wich­tigs­ten In­vest­ment­ban­ke­rin­nen des Lan­des. Dass die Coba sich 2011 mit ei­ner elf Mil­li­ar­den Euro schwe­ren Ka­pi­tal­er­hö­hung von der Staats­hil­fe be­frei­en konn­te, war in gro­ßen Tei­len ihr Werk. 2013 kehr­te Ger­bau­let dem Frank­fur­ter In­sti­tut den Rü­cken und wech­sel­te zur Pri­vat­bank Lam­pe nach Düs­sel­dorf, dem Bank­haus des Oet­ker-Clans. Im Ja­nu­ar 2017 wur­de sie zur per­sön­lich haf­ten­den Ge­sell­schaf­te­rin er­nannt – als ers­te Frau über­haupt, die es in den il­lus­tren Eig­ner­klub der deut­schen Pri­vat­bank ge­schafft hat.

Statt um Kon­zern­kun­den küm­mert sie sich nun vor­nehm­lich um Fa­mi­li­en­fir­men. Für Lam­pe will Ger­bau­let das Ka­pi­tal­markt­ge­schäft aus­bau­en und Mit­tel­ständ­lern ver­stärkt den Weg zu in­sti­tu­tio­nel­len In­ves­to­ren eb­nen, auch in den USA. Den Bör­sen­gang des Au­to­mo­bil­zu­lie­fe­rers Hel­la aus Lipp­stadt be­rei­te­te sie an­dert­halb Jah­re lang vor, um die An­sprü­che der Fa­mi­lie an ei­nen ge­räusch­lo­sen und si­che­ren IPO zu er­fül­len.

TOP 100

KÜKEN 4.0

KION Christina Reuter wacht als jüngste Aufsichtsrätin Deutschlands über die Digitalisierung von Kion.

UN­TER MÄNNERNChris­ti­na Reu­ter wird im Kon­troll­gre­mi­um des Ga­bel­stap­ler­bau­ers sehr ernst ge­nom­men

Chris­ti­na Reu­ter (32) spielt gut Gei­ge, bei­na­he hät­te sie Mu­sik stu­diert. Auch mit Po­nys kann sie um­ge­hen, die Ju­nio­ren-Eu­ro­pa­meis­ter­schaft im Dres­sur­rei­ten hat sie gleich zwei­mal ge­won­nen.

Min­des­tens so gut wie an der Gei­ge und auf dem Pferd ist Chris­ti­na Reu­ter dar­in, die In­dus­trie 4.0 zu er­klä­ren. Letz­te­res hat sie in den Auf­sichts­rat von Kion ge­bracht. Dort am­tiert sie seit Mai 2016 und darf sich ei­nes an­sehn­li­chen Su­per­la­tivs rüh­men: Sie ist Deutsch­lands jüngs­te Auf­sichts­rä­tin.

Bei dem Ga­bel­stap­ler­her­stel­ler sitzt die Ma­schi­nen­bau­in­ge­nieu­rin Sei­te an Sei­te mit in­ter­na­tio­na­len Ma­nage­ment­grö­ßen wie Ford-Ein­kaufs­che­fin Bir­git Beh­rendt oder John Feld­mann, Ex-BASF-Vor­stand. Die an­de­ren Räte sind ganz aus dem Häus­chen über das jun­ge Ta­lent, das sich stark und kennt­nis­reich bei Dis­kus­sio­nen en­ga­giert, die Welt der In­ge­nieu­re im De­tail ver­steht und in Sa­chen Di­gi­ta­li­sie­rung al­len äl­te­ren Se­mes­tern weit vor­aus ist.

TOP 100

WIEDUWILTS WELT

RUSSELL REYNOLDS Wer Shanghai kann, kann auch Deutschland.

RÜCK­KEHR AN DIE SPIT­ZE Hier­zu­lan­de ist Ul­ri­ke Wie­du­wilt die ein­zi­ge Frau an der Spit­ze ei­nes re­nom­mier­ten Head­hun­ters

Der Trend zu mehr Frau­en­power in den Lei­tungs­gre­mi­en der Pro­fes­sio­nal Ser­vices Firms ist bei Wirt­schafts­prü­fern und An­walts­kanz­lei­en schon län­ger zu be­sich­ti­gen. Nun zieht die Per­so­nal­be­ra­tung Rus­sell Reynolds nach. Seit ver­gan­ge­nem April führt Ul­ri­ke Wie­du­wilt (54) die deut­sche Part­ner­rie­ge. Ihr Büro hat sie am ele­gan­ten Neu­en Wall un­weit des Ham­bur­ger Jung­fern­stiegs.

Wie­du­wilt ist die ein­zi­ge Deutsch­land-Che­fin ei­ner gro­ßen, glo­ba­len Exe­cu­ti­ve-Se­arch-Fir­ma. Nur bei Heid­rick & Strugg­les stand hier­zu­lan­de auch schon eine Frau an der Spit­ze: Chris­ti­ne Stim­pel.

Wie­du­wilt ar­bei­tet seit 1999 für Rus­sell Reynolds, ihre Kli­en­ten kom­men vor al­lem aus der Kon­sum­gü­ter­welt (Bahl­sen, Da­no­ne, GfK). Be­gon­nen hat sie ihre Kar­rie­re bei Mars, nach zehn Jah­ren wech­sel­te sie in die Ge­schäfts­füh­rung der Gas­tro­no­mie­ket­te Eu­gen Block, be­vor sie Head­hun­terin wur­de.

TOP 100

DIE ZAHLENFRAU

FRESENIUS SE Der Wechsel des Jahres: Nur ungern ließ Telefónica CFO Rachel Empey zu Fresenius ziehen.

AN­LE­GERS LIEB­LING Ra­chel Em­pey ge­nießt an den Fi­nanz­märk­ten ei­nen ta­del­lo­sen Ruf

Sie hat ei­nen der spek­ta­ku­lärs­ten Wech­sel des Jah­res voll­zo­gen: Ra­chel Em­pey (41), seit Au­gust Fi­nanz­vor­stän­din bei Fre­se­ni­us. Vom spar­süch­ti­gen Mo­bil­fun­ker Te­le­fó­ni­ca Deutsch­land mit 7,5 Mil­li­ar­den Euro Um­satz zum kraft­strot­zen­den Ge­sund­heits­gi­gan­ten aus Bad Hom­burg, der mit mehr als 230 000 Mit­ar­bei­tern und 29 Mil­li­ar­den Euro Er­lös im Dax no­tiert – ein ech­ter Kar­rie­re­sprung. Die in Corn­wall ge­bo­re­ne Bri­tin, die in Ox­ford Ma­the­ma­tik stu­diert hat und dann zur Wirt­schafts­prü­fe­rin aus­ge­bil­det wur­de, hat sich die An­er­ken­nung der Fi­nanz­sze­ne durch ei­ni­ge kühl or­ches­trier­te Groß­pro­jek­te er­wor­ben. 2012 führ­te Em­pey die Toch­ter des spa­ni­schen Te­le­fó­ni­ca-Kon­zerns aufs Frank­fur­ter Bör­sen­par­kett; mit ei­nem Emis­si­ons­vo­lu­men von 1,5 Mil­li­ar­den Euro ei­ner der er­folg­reichs­ten IPOs der ver­gan­ge­nen Jah­re.

Ein knap­pes Jahr spä­ter ma­nag­te sie die Über­nah­me des Wett­be­wer­bers E-Plus. Mit der Plat­zie­rung von An­lei­hen und der Auf­nah­me von Dar­le­hen je­weils in Mil­li­ar­den­hö­he mach­te sie die deut­sche Toch­ter bald dar­auf un­ab­hän­gi­ger von der spa­ni­schen Mut­ter.

Em­pey tritt stets ru­hig und ana­ly­tisch auf, sie kommt ganz ohne Bug­wel­le da­her. Den In­ves­to­ren ge­fällt das. Die Ak­tio­nä­re be­ein­druckt sie auf Haupt­ver­samm­lun­gen mit ih­rem gu­ten Deutsch. Bei Te­le­fó­ni­ca war sie zu­sam­men mit dem heu­ti­gen CEO Mar­kus Haas noch auf Jah­re als Füh­rungs­ge­spann ein­ge­plant. Nur äu­ßerst un­gern lie­ßen die Stra­te­gen in Ma­drid sie zie­hen.

TOP 100

CAR GIRL

DAIMLER Erstmals verantwortet im Vorstand eine Frau den globalen Vertrieb: Britta Seeger.

LADY IN BLACK Brit­ta See­ger prä­sen­tiert den AMG GLC 63 auf der Au­to­show in New York

Für manch alt­ge­dien­ten Car-Guy mag der An­blick ge­wöh­nungs­be­dürf­tig ge­we­sen sein beim Gen­fer Au­to­sa­lon in die­sem Früh­jahr: Eine Frau prä­sen­tier­te das neue Ca­brio der Mer­ce­des-E-Klas­se, und sie war auch noch Vor­stän­din.

Seit An­fang Ja­nu­ar führt Brit­ta See­ger (48) den Ver­trieb von Mer­ce­des-Benz Cars. Genf war ihr ers­ter gro­ßer Auf­tritt im neu­en Amt, und sie mach­te ihre Sa­che gut. Wie ein Ver­triebs­vor­stand eben.

Ge­staunt über Brit­ta See­ger hat­ten zu­vor schon ganz an­de­re. Als ihr Vor­gän­ger Ola Käl­le­ni­us im Fe­bru­ar 2016 zum neu­en Ent­wick­lungs­chef aus­ge­ru­fen wur­de, mach­ten sich di­ver­se Män­ner Hoff­nung auf die Nach­fol­ge. Das Amt des Ver­triebs­chefs ist be­gehrt bei Mer­ce­des, es be­deu­tet mehr oder we­ni­ger au­to­ma­tisch auch den Auf­stieg in den Kon­zern­vor­stand der Daim­ler AG.

TOP 100

DIE UNBEKANNTE

COSNOVA Christina Oster-Daum greift im Kosmetikmarkt an.

Keine In­ter­views, kei­ne Fo­tos. Mar­ke­ting­leu­te könn­ten an Chris­ti­na Os­ter-Daum (48) ver­zwei­feln. Sie stört das nicht, will in Ruhe ar­bei­ten an der wohl größ­ten un­ter­neh­me­ri­schen Er­folgs­ge­schich­te aus weib­li­cher Hand, die Deutsch­land in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ge­se­hen hat.

Die stil­le Un­ter­neh­me­rin aus Sulz­bach im Tau­nus be­herrscht mit ih­rer Fir­ma Cos­no­va und de­ren Mar­ken Es­sence, L.O.V. und Catri­ce ei­nen be­trächt­li­chen Teil des hei­mi­schen Kos­me­tik­markts. Mehr als ein Drit­tel al­ler Pro­duk­te der so­ge­nann­ten de­ko­ra­ti­ven Kos­me­tik, die 2016 hier­zu­lan­de ver­kauft wur­den, stam­men aus dem Hau­se Cos­no­va.

Das Un­ter­neh­men wächst ra­sant: 361 Mil­lio­nen Euro Um­satz er­ziel­ten Os­ter-Daum und ihre drei Mit­ge­schäfts­füh­rer zu­letzt, 14 Pro­zent mehr als im Vor­jahr. Zum Ver­gleich: Die In­ter­net­la­dys von Out­fit­te­ry (On­line­s­til­be­ra­tung und Mo­de­ver­sand für Män­ner) und Amo­re­lie (Sex­toys), die je­weils Star­sta­tus ge­nie­ßen, kom­men ge­ra­de mal auf nied­ri­ge zwei­stel­li­ge Er­lö­se.

TOP 100

BEDINGT TREU

RTL Zwölf gewinnreiche Jahre an der Spitze des TV-Senders haben Anke Schäferkordts Freiheitsstreben geweckt. Das bekommt auch der Mutterkonzern Bertelsmann schon mal zu spüren.

DIE FERN­SEH-BOS­SIN Anke Schä­fer­kordt führt Ber­tels­manns wich­tigs­ten Ge­winn­brin­ger – und lie­fert Jahr für Jahr

Auf­ge­merkt, Gü­ters­loh! Jetzt kommt et­was über eure bes­te Kas­sen­fül­le­rin, was auch ihr nicht wisst: Anke Schä­fer­kordt, seit zwölf Jah­ren Che­fin bei RTL, wür­de ih­ren obers­ten Chef und Ge­sell­schaf­ter je­der­zeit eis­kalt an­grei­fen, wen­n's die Um­stän­de er­for­dern.

Sie ist ge­fähr­lich aus­ge­las­sen, wenn sie da­von er­zählt. „Vol­le Mot­te!“, ruft sie. Wirft bei­de Hän­de nach vorn und kiekst in sich hin­ein.

Die Sa­che ge­schah in Ida­ho, das Op­fer: Ru­pert Mur­doch. Zwar ist Schä­fer­kordt seit fast 30 Jah­ren treue Ber­tels­frau, war aber kurz­zei­tig fer­ne Mur­doch-Un­ter­ge­be­ne und als sol­che zum Füh­rungs­kräf­te­tref­fen ein­ge­la­den. Zur Be­lus­ti­gung gab es Wild­was­ser-Raf­ting. Ganz vorn, den Kü­bel voll Eis­was­ser, saß die Frau aus Ger­ma­ny. Im ers­ten Boot, das ih­nen in die Que­re kam, hock­te – Mr Pre­si­dent & CEO. Blitz­schnell kal­ku­lier­te Schä­fer­kordt die Si­tua­ti­on, dann war Mur­doch fäl­lig. „You were the nas­tiest“, bell­te der trie­fen­de Mo­gul.

Sie lesen die Vorschau

Sie haben diese Ausgabe bereits gekauft oder ein digitales Abo? Dann melden Sie sich mit Ihrer manager-ID an, um den vollständigen Artikel zu lesen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 1/2018.