EDITORIAL

Der Bundesadler leuchtet rot

MAR­TIN NOÉ Stell­ver­tre­ten­der Chef­re­dak­teur

DER TA­GUNGS­ORT WAR EINE RE­MI­NIS­ZENZ an die Bon­ner Re­pu­blik, als Po­li­tik noch be­re­chen­bar wirk­te. Tat­säch­lich ging es IG-Me­tall-Boss Jörg Hof­mann um die Zu­kunft. Zwei Tage lang de­bat­tier­te die IG Me­tall Ende Ok­to­ber im al­ten Ple­nar­saal über ihre Rol­le in der neu­en, der di­gi­ta­len in­dus­tri­el­len Re­vo­lu­ti­on. Die Sym­bo­lik war ein­deu­tig: Der Bun­des­ad­ler wur­de rot aus­ge­leuch­tet. Die IG Me­tall will In­dus­trie und Ge­sell­schaft nach ih­ren Vor­stel­lun­gen um­bau­en. Und sie ist da­mit schon viel wei­ter, als es die Öffent­lich­keit wahr­nimmt, wie ma­na­ger-ma­ga­zin-Chef­re­por­ter Diet­mar Stu­dent in Ge­sprä­chen mit Ge­werk­schaf­tern, Auf­sichts- und Be­triebs­rä­ten, Ma­na­gern und Ar­beit­ge­ber­ver­tre­tern her­aus­fand. Bei Thys­sen­Krupp, VW oder auch Daim­ler sind die Ar­beit­neh­mer aus ih­rer mit­be­stim­men­den Rol­le her­aus­ge­wach­sen, in­zwi­schen do­mi­nie­ren sie zen­tra­le Ent­schei­dun­gen. Ähn­lich ist es in der In­dus­trie­po­li­tik, Stich­wort Bat­te­rie­zel­len­fer­ti­gung. Die Me­tal­ler pro­fi­tie­ren von ih­rem ho­hen Or­ga­ni­sa­ti­ons­grad und ih­rer in­tel­lek­tu­el­len Kraft. Vor al­lem aber zeigt ihre Stär­ke die Schwä­che vie­ler Un­ter­neh­men und ei­ner Bun­des­re­gie­rung, die sich trei­ben lässt, statt zu ord­nen. Un­se­re Ti­tel­ge­schich­te „Freund­li­che Über­nah­me“ ist da ein ein­deu­ti­ges Warn­si­gnal, ab hier.

STEL­LEN SIE SICH VOR, die Num­mer eins un­ter den Au­to­kon­zer­nen welt­weit wäre mehr als 50-mal so groß wie die Num­mer zwei. Ähn­lich wäre das Grö­ßen­ver­hält­nis bei Ban­ken, bei Stahl­kon­zer­nen oder Che­mie­un­ter­neh­men. Un­vor­stell­bar – oder? Im Wag­nis­ka­pi­tal­ge­schäft ist es ge­nau so. Erst kommt der Vi­si­on Fund, Werk­zeug des Ja­pa­ners Ma­sayo­shi Son, mit ei­ner Feu­er­kraft von 100 Mil­li­ar­den Dol­lar, dann fol­gen weit ab­ge­schla­gen die re­nom­mier­ten Si­li­con-Val­ley-Adres­sen. Der Auf­stieg des ja­pa­ni­schen Fonds ist der wich­tigs­te Grund für die zu­letzt spek­ta­ku­lär ge­stie­ge­nen Be­wer­tun­gen von Tech-Start-ups wie dem Fahr­dienst Uber, dem Bü­ro­ver­mitt­ler We­Work oder auch der Ge­braucht­wa­gen­platt­form Au­to1. Der Vi­si­on Fund lässt Geld reg­nen und si­chert sich da­für oft bes­se­re Kon­di­tio­nen als an­de­re In­ves­to­ren. Je mehr mei­ne Kol­le­gen Phil­ipp Al­va­res de Sou­za Soa­res und Jo­nas Rest mit Grün­dern, In­ves­to­ren und Fi­nanz­ex­per­ten spra­chen, des­to mehr fühl­ten sie sich an die Zeit kurz vor der Fi­nanz­kri­se er­in­nert. Zu­mal als sie fest­stell­ten, dass die Ma­cher des Fonds noch vor we­ni­gen Jah­ren die wil­des­ten Zo­cker in Diens­ten der Deut­schen Bank wa­ren und ihr Spiel­geld heu­te zu­vör­derst aus der sau­di-ara­bi­schen Dik­ta­tur kommt. „Der Herr der Bla­sen“, ab hier.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 12/2018.