FÜHRUNGSZEUGNIS

Es riecht nach dem Muff der Talare

Die deutschen Forschungsinstitute kranken an schlechter Führung. Die politische Steuerung versagt. Es fehlt an Output.
Von Thomas Sattelberger

Max Planck, Leib­niz, Fraun­ho­fer, Helm­holtz: Als „fet­te Kat­zen“ habe ich un­se­re au­ßer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen jüngst be­zeich­net. Im Ge­spräch mit ei­nem Wis­sen­schafts­blog­ger stell­te ich die ei­nes Schwa­ben wür­di­ge Fra­ge, was denn der Out­put all der In­sti­tu­te sei. Wohl an die 100 Mil­li­ar­den Euro For­schungs­un­ter­stüt­zung in der letz­ten De­ka­de für die heu­te mehr als 107.000 Wis­sen­schaft­ler: Wie vie­le glo­ba­le oder er­folg­reich kom­mer­zia­li­sier­te Pa­ten­te, wie vie­le Patent­zi­ta­tio­nen, wie vie­le ska­lie­ren­de Aus­grün­dun­gen? Die klas­si­sche Ma­nage­ment­fra­ge nach Ef­fi­zi­enz und Ef­fek­ti­vi­tät. Mi­nis­te­rin Anja Kar­lic­zek (47; CDU) nann­te mei­ne Aus­sa­ge de­spek­tier­lich. Die Bun­des­re­gie­rung ließ wis­sen, es sei un­mög­lich, an­hand in­ter­na­tio­na­ler Leis­tungs­in­di­ka­to­ren (KPI) zu ver­glei­chen. Ich sehe das an­ders. Denn zu viel Re­spekt vor Au­to­ri­tät macht blind für Ver­än­de­run­gen.

Un­be­strit­ten, dass wir Orte brau­chen, wo man sich der Grund­la­gen­for­schung ohne Ver­wer­tungs­in­ter­es­se ver­schreibt, Frei­heit für „cu­rio­si­ty dri­ven re­se­arch“. Doch Deutsch­land be­nö­tigt nicht nur Alex­an­der von Hum­boldt, son­dern In­no­va­tio­nen. Jeff Be­zos hat nicht auf Max Planck ge­war­tet. Face­book ist nicht bei Fraun­ho­fer ent­stan­den.

DIE SZE­NE WAR AUF­GE­SCHEUCHT. Fraun­ho­fer-In­sti­tuts­lei­ter lu­den mich zum Be­such ein – un­ter dem Sie­gel der Ver­schwie­gen­heit. Der Leib­niz-Chef be­frag­te alle sei­ne In­sti­tu­te, ob ich da ge­we­sen sei. Der Max-Planck-Prä­si­dent frag­te mich an. Ein Fraun­ho­fer-Di­rek­tor schrieb mir von „un­glaub­lich gro­ßen Ver­säum­nis­sen“, für die „das Be­har­rungs­in­ter­es­se und die rück­schritt­li­chen An­sich­ten“ vie­ler Po­li­ti­ker, aber auch Vor­stän­de im Wis­sen­schafts­ma­nage­ment mit­ver­ant­wort­lich sei­en. Je­der gute Wirt­schafts­ma­na­ger hät­te längst die Steue­rungs­lo­gik des Sys­tems über­prüft. Nicht so die mi­nis­te­ri­el­le Bü­ro­kra­tie in ih­rer igno­ran­ten In­put-Per­spek­ti­ve: Egal wie vie­le Mil­li­ar­den ich vorn rein­schie­be, es in­ter­es­siert mich nicht, was hin­ten raus­kommt. Der In­no­va­ti­ons­be­richt der Schwei­zer Re­gie­rung be­schäf­tigt sich auf 60 Sei­ten da­mit, ob man ge­setz­te Zie­le er­reicht hat, im Bun­des­be­richt For­schung und In­no­va­ti­on muss man die we­ni­gen Zei­len dazu su­chen.

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