HALL OF FAME

EIN LEBEN MIT ANSTANDSDAME

BIOCHEMIE Franz-Ulrich Hartl hat entdeckt, wie Zellen den Bau lebenswichtiger Proteine steuern. Damit will er tödliche Krankheiten bekämpfen. Und vielleicht revolutioniert er auch noch die Welternährung.

HARTLS BROT Als Di­rek­tor am Max-Planck-In­sti­tut für Bio­che­mie in Mar­tins­ried bei Mün­chen lei­tet Franz-Ul­rich Hartl die Ab­tei­lung für Zell­bio­lo­gie

Da also steht es: sein Wis­sen. Zu­min­dest das in Zeit­schrif­ten pu­bli­zier­te. Auf den Re­ga­len, die in sei­nem Büro eine kom­plet­te Längs­sei­te ein­neh­men, rei­hen sich Schu­ber an Schu­ber mit Son­der­dru­cken sei­ner vie­len wis­sen­schaft­li­chen Ar­bei­ten. „Kei­ne Sor­ge“, sagt Franz-Ul­rich Hartl, „Sie se­hen hier nur die äl­te­ren Wer­ke. Die neue­ren sind selbst­ver­ständ­lich di­gi­ta­li­siert und neh­men nicht so viel Platz weg.“ Kur­ze Pau­se, blit­zen­der Blick. „Die müs­sen auch nicht ab­ge­staubt wer­den.“

Tat­säch­lich pu­bli­ziert Franz-Ul­rich Hartl seit Jahr­zehn­ten ei­nen Bei­trag nach dem an­de­ren: Der 61-Jäh­ri­ge ist eine zen­tra­le Fi­gur der deut­schen Le­bens­wis­sen­schaf­ten.

Hartl hat ent­schei­dend dazu bei­ge­tra­gen, die Bio­che­mie le­ben­der Zel­len zu ent­schlüs­seln – und da­mit ei­nes der zen­tra­len Ge­heim­nis­se des Le­bens. Er konn­te nach­wei­sen, dass gro­ße Pro­te­ine in den Zel­len raf­fi­niert ver­schach­tel­te Ei­weiß­ver­bin­dun­gen aus lan­gen Fä­den fal­ten. Da­bei hel­fen „Cha­pe­ro­ne“, zu deutsch „Auf­sichts­füh­rer“ oder „An­stands­da­men“. Das ist le­bens­wich­tig, denn: Fal­ten die Cha­pe­ro­ne die Ei­weiß­ver­bin­dun­gen, die vie­le Hun­dert­tau­send Bau­stei­ne ent­hal­ten kön­nen, nicht ex­akt nach dem ge­ne­tisch pro­gram­mier­ten Plan, kön­nen die ihre Funk­ti­on für den Stoff­wech­sel oder in den Zell­or­ga­nel­len nicht über­neh­men. Im schlimms­ten Fall ver­klum­pen sie – und es ent­ste­hen De­fek­te und Krank­hei­ten.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 12/2018.