LEBEN

MOTOREN FÜRS HANDGELENK

UHREN Mehr als 300 Jahre lang hat sich an den Antrieben für Triebfederuhren nichts Wesentliches getan. Jetzt starten ein paar junge Handwerksmeister die Hightechrevolution.

RES­SENCE, „TYPE 3“ Das Re­gu­la­tor­zif­fer­blatt sieht spek­ta­ku­lär aus. Noch un­ge­wöhn­li­cher ist das Werk. Preis: 33.600 Euro.

D as Ate­lier in dem Hoch­haus am Ant­wer-pe­ner Ei­er­markt sieht aus wie ein De­sign­stu­dio: Die ho­hen Eck­fens­ter er­öff­nen ei­nen Blick auf den Him­mel, an der nack­ten wei­ßen Wand lehnt ein wei­ßes Stadt­rad mit Stum­mel­len­ker. Ein Mann und eine Frau, bei­de um die 30 und in Künst­ler­schwarz ge­klei­det, ar­bei­ten schwei­gend vor rie­si­gen Flach­bild­schir­men. Eine ring­för­mi­ge Pen­del­leuch­te er­hellt den kar­gen Raum. Wir be­fin­den uns in der Fer­ti­gungs­hal­le des Uh­ren-Start-ups Res­sence, das für sei­ne re­vo­lu­tio­nä­re Tech­nik be­kannt ist. Be­noît Min­ti­ens, Wu­schel­haar, fus­se­li­ger Kaschmir­pul­li, hat die Mar­ke 2010 ge­grün­det. „Bis heu­te bin ich je­doch kein Uh­ren­freak“, sagt er. „Ich mag Uh­ren auf die­sel­be Art, wie ich Au­tos mag: we­gen der Tech­nik und ein­zel­ner De­tails.“ Der In­dus­trie­de­si­gner nä­hert sich sei­nen Ent­wür­fen nicht über die Ästhe­tik, son­dern wie ein In­ge­nieur: „Die Form folgt der Funk­ti­on. Im­mer!“

Als Min­ti­ens mit der Kon­struk­ti­on ei­nes ei­ge­nen Mo­dells be­gann, wur­de dem Uh­ren­lai­en schnell klar, dass er tief in die Me­cha­nik ein­drin­gen muss­te. Er brauch­te ein neu­es An­triebs­sys­tem. Und fand sich plötz­lich im Wett­be­werb mit den am­bi­tio­nier­tes­ten High­tech­mar­ken der Hau­te Hor­lo­ge­rie.

Seit sich der nie­der­län­di­sche As­tro­nom und Phy­si­ker Chris­tia­an Huy­gens die Kom­bi­na­ti­on aus Spi­ral­fe­der, Hem­mung und Un­ruh im Jahr 1657 pa­ten­tie­ren ließ, ist das An­triebs­kon­zept für klei­ne Trieb­fe­der­uh­ren höchs­tens mal va­ri­iert wor­den. Das soll nun an­ders wer­den: Vor al­lem die Her­stel­ler männ­lich-fu­tu­ris­ti­scher Mo­del­le pro­fi­lie­ren sich im­mer häu­fi­ger mit An­lei­hen aus der Raum­fahrt- und Me­di­zin­tech­nik, mit küh­nen Kom­bi­na­tio­nen aus Elek­tro­nik und Me­cha­nik, mit mi­nia­tu­ri­sier­ten Prin­zi­pi­en aus dem An­triebs­strang von Pre­mi­um­au­tos.

Sie lesen die Vorschau

Sie haben diese Ausgabe bereits gekauft oder ein digitales Abo? Dann melden Sie sich mit Ihrer manager-ID an, um den vollständigen Artikel zu lesen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 12/2018.