UNTERNEHMEN

DER PROBLEMBÄR

HARIBO Hans Guido Riegel baut den lange erfolgreichen Familienbetrieb im Eiltempo zum Konzern um – und vergrault massenweise Manager.

Der ver­stor­be­ne Fir­men­chef Hans Rie­gel sitzt auf ei­nem Thron und schaut, mil­de lä­chelnd, auf ei­nen Gold­bä­ren. Die Krea­tur, den Rü­cken ge­beugt, blickt vor­sich­tig nach oben und streicht dem Pa­tri­ar­chen lie­be­voll über den Arm. Papa Bär und sei­ne Ge­schöp­fe bil­de­ten über Jahr­zehn­te eine un­trenn­ba­re Ein­heit, für sie hat der Alte bis zu sei­nem letz­ten Atem­zug al­les ge­ge­ben. Die Fi­gur steht in der Ecke ei­nes Be­spre­chungs­raums der Dr. Hans Rie­gel-Stif­tung in der Bon­ner In­nen­stadt und wirkt, als ge­ra­te sie all­mäh­lich in Ver­ges­sen­heit.

In der Fir­ma ist vom Geist des eben­so schwie­ri­gen wie cha­ris­ma­ti­schen „Mr. Ha­ri­bo“ schon jetzt kaum noch et­was üb­rig. Auf Rie­gels Thron sitzt heu­te sein Nef­fe Hans Gui­do (52). Un­ter des­sen Ägide ist das Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men zu ei­nem ech­ten Pro­blem­bär mu­tiert, der sich ein­fach nicht dres­sie­ren lässt. Top­leu­te ge­hen in Scha­ren, zen­tra­le Pro­jek­te sto­cken. Nach Jahr­zehn­ten sü­ßer Um­satz­sprün­ge schmeckt die Ge­gen­wart eher fade. Ha­ri­bo ver­fehlt erst­mals sei­ne Zie­le. Der Gum­mi­bä­ren­her­stel­ler, der zum Welt­kon­zern auf­stei­gen soll, steckt fest zwi­schen sei­ner gro­ßen Ver­gan­gen­heit und ei­ner Zu­kunft, die noch ei­nem Traum­ge­bil­de gleicht.

Die Rie­gels, selbst er­nann­te Be­glü­cker der Na­ti­on (Wer­be­slo­gan: „Ha­ri­bo macht Kin­der froh. Und Er­wach­se­ne eben­so"), wa­ren schon im­mer eine schreck­lich net­te Fa­mi­lie. Wäh­rend Schwes­ter Ani­ta Kö­nigs nicht mit­tun durf­te und ent­täuscht dem Al­ko­hol ver­fiel, wa­ren es die Brü­der Paul und Hans, die aus dem 1920 von ih­rem Va­ter in ei­ner Wasch­kü­che ge­grün­de­ten Be­trieb den glo­ba­len Markt­füh­rer für Frucht­gum­mi und La­kritz form­ten. Paul, ein öf­fent­lich­keits­scheu­er Tüft­ler, küm­mer­te sich um die Pro­duk­ti­on, der macht­ver­lieb­te Hans um den Rest. Je er­folg­rei­cher die bei­den wur­den, des­to mehr litt ihre Be­zie­hung.

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