EDITORIAL

Behörde mit Gleisan­schluss

STEF­FEN KLUS­MANN Chef­re­dak­teur

WAS PO­LI­TI­KER SO AL­LES TUN, um sich an der Macht zu hal­ten, ha­ben die Groß­ko­ali­tio­nä­re ge­ra­de wie­der ein­drucks­voll be­wie­sen. Was Po­li­ti­ker an­rich­ten, wenn sie in Un­ter­neh­men rein­re­gie­ren, lässt sich bei der Bahn be­sich­ti­gen. Dort fin­gern die Volks­ver­tre­ter neu­er­dings wie­der un­ge­niert über­all mit. Das „Un­ter­neh­men Zu­kunft“ (Wer­be­slo­gan), das vor Jah­ren noch an die Bör­se woll­te, ist drauf und dran, als Be­hör­de mit Gleis­an­schluss zu en­den. Wäh­rend sie in Pa­ris und an­ders­wo in die di­gi­ta­le Welt auf­bre­chen, zei­gen die Ber­li­ner Staats­ka­pi­ta­lis­ten, wie rück­wärts­ge­wandt sie wirk­lich ti­cken. Den Scha­den tei­len sich der Kun­de und der Steu­er­zah­ler. Mi­cha­el Machatsch­ke zieht in un­se­rer Ti­tel­ge­schich­te eine ver­nich­ten­de Bi­lanz, ab hier.

ELI­TEN VERÄNDERN SICH. Der nar­ziss­ti­sche Herr­scher-CEO, der wie ein Kö­nig Hof hielt mit Fah­rer, Dop­pel­se­kre­ta­ri­at und ge­spreiz­ten Stä­ben, stirbt aus. Heu­te geht es un­prä­ten­tiö­ser zu in Cor­po­ra­te Ger­ma­ny. Die Lea­der fah­ren selbst (Bay­ers Wer­ner Bau­mann), schwit­zen mor­gens kol­lek­tiv im Fit­ness­stu­dio (Adi­da­s' Kas­per Ror­sted) und be­schrän­ken das Er­tei­len von An­wei­sun­gen „auf Aus­nah­me­fäl­le“ (Con­tis El­mar De­gen­hart). Wer heu­te zu den Lieb­lin­gen der Head­hun­ter ge­hö­ren will, ver­zich­tet auf Sta­tus­sym­bo­le und ver­rich­tet sein Ta­ge­werk ko­ope­ra­tiv und zu­pa­ckend. Fast wie in der Grün­der­sze­ne. Ein Typ wie die Wag­nis­ka­pi­tal­grö­ße Tom Staf­ford (Za­lan­do, Au­to1) braucht sei­ne As­sis­tenz nur noch als Dress­code-Alarm – da­mit er bei ei­nem Ga­lad­in­ner nicht in Jeans auf­taucht. Das neue Eli­ten­leit­bild ent­schlüs­selt mein Kol­le­ge Diet­mar Stu­dent ab hier.

SIE­MENS-VOR­STAND MI­CHA­EL SEN ist so eine Art Joe Ka­e­ser in jung und des Meis­ters „Mas­ter­mind“ hin­ter den Bör­sen­plä­nen der Me­di­zin­tech­nik­toch­ter Healt­hineers. Für den vor­aus­sicht­lich größ­ten deut­schen Bör­sen­gang seit über ei­nem Jahr­zehnt brach Sen sei­ne Ar­beit als Eon-Fi­nanz­vor­stand vor­zei­tig ab und kehr­te zu­rück zu Sie­mens. War­um der blitz­ge­schei­te und me­ga­ehr­gei­zi­ge Sen nun so­gar Chan­cen hat, sein gro­ßes Vor­bild an der Kon­zern­spit­ze zu be­er­ben, er­klärt mei­ne Kol­le­gin An­ge­la Mai­er ab hier.

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