EXPERTENRAT

Wem wollt ihr gehören?

Smarte Vorstände sollten sich ihre Aktionäre selbst suchen – und damit Aktivisten fernhalten.
Von Christoph H. Seibt

Jedes Un­ter­neh­men hat die Ak­tio­nä­re, die es ver­dient“, hat Vo­no­vi­as Fi­nanz­chef Ste­fan Kirs­ten jüngst ge­sagt. Das ist rich­tig. Wer nicht or­dent­lich führt, der kann schnell Op­fer von Ak­ti­vis­ten wer­den, die dann – freund­lich aus­ge­drückt – Stra­te­gie­wech­sel an­mah­nen. Und wer ver­hin­dern will, dass sich die Ak­tio­nä­re eine neue Stra­te­gie und das dazu pas­sen­de Füh­rungs­per­so­nal su­chen, wird bes­ser selbst ak­tiv. Wirbt um Ak­tio­nä­re, die sei­ne Stra­te­gie stüt­zen – und führt mit ih­nen ei­nen fort­lau­fen­den Dia­log.

All­ge­mei­ne Pra­xis ist das noch nicht. Die tra­di­tio­nel­le Ak­ti­en­rechts­leh­re ver­steht un­ter dem Neu­tra­li­täts­ge­bot im­mer noch, dass ein Vor­stand sich sei­ne Ak­tio­nä­re nicht aus­su­chen darf. Doch die­se In­ter­pre­ta­ti­on ist falsch. Die Zu­sam­men­set­zung des Ak­tio­na­ri­ats er­gibt sich we­der zu­fäl­lig noch na­tür­lich. Im Ge­gen­teil: Die Ge­schäfts­lei­ter ha­ben die Pflicht, eine nach­hal­ti­ge Wert­ent­wick­lung zu­guns­ten al­ler Sta­ke­hol­der zu ver­fol­gen. Dar­aus ab­ge­lei­tet wird auch Ak­tio­närs­ma­nage­ment zum Ge­bot.

DAS GILT ERST RECHT IN UN­SI­CHE­REN UND VO­LA­TI­LEN ZEI­TEN. Sie er­for­dern eine hohe Fle­xi­bi­li­tät und ein Be­kennt­nis zur Feh­ler­kul­tur, auch muss die Stra­te­gie ste­tig nach­jus­tiert wer­den. Die­se Un­vor­her­seh­bar­keit spie­geln heu­te auch die In­ves­to­ren wi­der: Ak­ti­vis­ten und pas­siv ver­wal­te­te In­vest­ment­fonds, frü­her eher Rand­er­schei­nun­gen, sind zum Main­stream ge­wor­den. Und die neue EU-Ak­tio­närs­rech­te­richt­li­nie stärkt die­se Grup­pen so­gar noch. Sie ver­la­gert Kom­pe­ten­zen hin zur Haupt­ver­samm­lung und for­dert von den Fonds, ihre Rech­te trans­pa­rent wahr­zu­neh­men. Die­se Ge­men­ge­la­ge be­wäl­tigt nur, wer sich auf Ak­tio­nä­re ver­las­sen kann, die sei­ne Stra­te­gie un­ter­stüt­zen.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 3/2018.