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INDISCHES ABENTEUER

THYSSENKRUPP Die Stahlallianz mit Tata Steel Europe ist endlich unterschriftsreif. Schon sieht der Plan einen schnellen Börsengang vor. Ist das realistisch?

AB­SCHIED Thys­sen­Krupp-Chef  Hie­sin­ger will dem Stahl eine Zu­kunft ge­ben, in­dem er ihn aus­glie­dert

Ein Glück, dass Hein­rich Hie­sin­ger (57), der Bau­ern­sohn, ei­nen Sinn für Tra­di­tio­nen hat. Stun­den­lang sieht er zu, wie Tau­sen­de Men­schen in Uni­for­men ar­me­schwen­kend an ihm vor­bei­zie­hen, be­glei­tet von der be­geis­ter­ten Stim­me ei­ner Mo­dera­to­rin, die weit über das Ge­län­de schallt. Der Zug scheint gar nicht auf­hö­ren zu wol­len, Mo­tiv­wa­gen reiht sich an Mo­tiv­wa­gen, wie im rhei­ni­schen Kar­ne­val. Nur die Tem­pe­ra­tur ist hö­her (35 Grad im Schat­ten), und auf den Wa­gen wer­den kei­ne po­li­tisch bis­si­gen Ka­ri­ka­tu­ren ge­zeigt, son­dern die Ar­beit der ein­zel­nen Tata-Un­ter­neh­men. Die Ze­re­mo­nie en­det mit der Blu­men­ga­be vor ei­nem Hel­den­denk­mal.

Es ist der 3. März, Foun­der's Day. In der Mil­lio­nen­me­tro­po­le Jams­hed­pur (230 Ki­lo­me­ter Luft­li­nie west­lich von Kal­kut­ta) fei­ern sie den 179. Ge­burts­tag von Jams­hed­ji Nas­ar­wan­ji Tata, dem Grün­der des größ­ten in­di­schen In­dus­trie­kon­glo­me­rats. Des­sen rie­si­ges Stahl­werk prägt in der Re­gi­on das Le­ben, selbst die Was­ser- und En­er­gie­ver­sor­gung stammt von Tata. Da­her kann man in Jams­hed­pur – an­ders als sonst in in­di­schen Groß­städ­ten – ge­trost aus dem Was­ser­hahn trin­ken.

Ur­en­kel Ra­tan Tata (80), ehe­mals selbst CEO und nach wie vor Mit­eig­ner der Hol­ding Tata Sons (100 Mil­li­ar­den Dol­lar Um­satz), hat Hie­sin­ger zu dem Event ein­ge­la­den. Der Deut­sche soll ver­ste­hen, wie die Tata-Welt tickt, be­vor man sich mit ihm ein­lässt. An­fang April wol­len Hie­sin­ger und Tata-Chef Na­ta­ra­jan Chan­dra­se­ka­ran (54; kurz: Chan­dra), bei der Pro­zes­si­on eben­falls an Hie­sin­gers Sei­te, drei gro­ße Stahl­werks­kom­ple­xe in Deutsch­land, Hol­land und Wa­les aus ih­ren Kon­zer­nen her­aus­lö­sen und in ein Ge­mein­schafts­un­ter­neh­men über­füh­ren. Durch die Ab­spal­tung soll ein neu­er Stahl­gi­gant ent­ste­hen, „eine kla­re, star­ke Num­mer zwei in Eu­ro­pa“, wie Thys­sen­Krupp-Fi­nanz­chef Gui­do Kerk­hoff (50) in An­spie­lung auf Markt­füh­rer Ar­celor­Mit­tal selbst­be­wusst ver­kün­det. Um­satz: 15 Mil­li­ar­den Euro.

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