WIRTSCHAFTSKULTUR

Gangster­so­zio­gramme

Eine True-Crime-Dokureihe – und zur Aufmunterung eine Gaunerserie.

BAD BOYS Hedge­fonds­ma­na­ger Mar­tin Sh­kre­li (mit Hoo­die), frisch ver­ur­teilt we­gen Be­trugs, und sein An­walt Evan Gree­bel (links vor ihm)

Wie viel Spaß kann man dar­an ha­ben, sich maß­los auf­zu­re­gen, die Wut lo­dern zu las­sen und Men­schen kom­plett zu ver­ach­ten? „Dir­ty Mo­ney“, eine Wirt­schafts­kri­mi-Do­kurei­he auf Net­flix, be­ant­wor­tet die Fra­ge mit ei­nem woh­lig-schau­ri­gen: sehr viel. Ei­ner­seits ma­chen ei­nen all die Gier­rit­ter und Ge­set­zes­bre­cher wirk­lich zor­nig, an­de­rer­seits wird man von ih­nen groß­ar­tig un­ter­hal­ten, weil die Skan­dal­ge­schich­ten so gut er­zählt sind.

Die sechs Fol­gen wid­men sich da­bei höchst un­ter­schied­li­chen Ver­bre­chen: vom Volks­wa­gen-Ab­gas­skan­dal über die Geld­wä­sche bei der Groß­bank HSBC bis hin zum Fall des Renn­fah­rers und Un­ter­neh­mers Scott Tu­cker, der we­gen il­le­ga­ler Kre­dit­prak­ti­ken zu ei­ner Haft­stra­fe von 16 Jah­ren ver­ur­teilt wur­de. Do­nald Trumps du­bio­se Ge­schäf­te feh­len na­tür­lich auch nicht. Be­son­ders schräg: ein Jahr­hun­der­traub in Qué­bec, bei dem die Die­be bin­nen ei­nes Jah­res mit ei­nem Gar­ten­schlauch 3000 Ton­nen Ahorn­si­rup im Wert von fast 20 Mil­lio­nen ka­na­di­schen Dol­lar ab­pump­ten. Die Bot­schaft: Gier hat vie­le Ge­sich­ter, sie kann stumpf sein, bru­tal und manch­mal auch ziem­lich ko­misch.

Wer sich nach so viel ech­tem Ver­bre­chen noch mit ein paar Fol­gen put­zi­ger Gau­ne­rei auf­hei­tern möch­te, dem sei die spa­ni­sche Se­rie „La casa de pa­pel“ emp­foh­len, eben­falls auf Net­flix; der deut­sche Ti­tel lau­tet „Haus des Gel­des“. Hier wer­den kei­ne arg­lo­sen Klein­spa­rer ge­prellt; die at­trak­ti­ve Gau­ner­ban­de legt sich mit den ganz Gro­ßen an. Sie ver­schanzt sich in der spa­ni­schen Bank­no­ten­dru­cke­rei, bis die pau­sen­los ro­tie­ren­den Wal­zen sie reich ge­druckt ha­ben – für die an­ge­peil­ten 2,4 Mil­li­ar­den Euro brau­chen die Ma­schi­nen bei Dau­er­be­trieb elf Tage. Ein aber­wit­zi­ges, ele­gan­tes, spie­le­ri­sches Ver­bre­chen, das beim Zu­schau­er kei­ne Wut auf­kom­men lässt, son­dern das Ge­gen­teil auf der Emo­ti­ons­ska­la: Sym­pa­thie für die Gangs­ter. Denn de­ren Ta­ten er­schei­nen völ­lig plau­si­bel. 1

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 6/2018.