PRO­TES­T­HERD In Bay­ern war der Wi­der­stand schon beim UMTS-Aus­bau be­son­ders groß. Am Ende sieg­ten die Mo­bil­fun­ker.

TRENDS

MAST-HASS

INFRASTRUKTUR Die Mobilfunkkonzerne investieren Milliarden in die neue 5G-Technik. Aus Angst vor der Strahlung formieren sich Hunderte Protestgruppen. Deren einziges Ziel: den Ausbau zu stoppen.

Das Lü­ne­bur­ger Back­stein­ge­bäu­de be­her­berg­te einst Rei­ter der preu­ßi­schen Ka­val­le­rie. An ei­nem Abend An­fang Sep­tem­ber sam­melt Jörn Gut­bier (52) hier sei­ne Trup­pen. Der Vor­sit­zen­de von Dia­gno­se Funk re­fe­riert zu der Fra­ge, ob der neue Mo­bil­funk­stan­dard 5G Ge­sund­heits­ri­si­ken birgt. An die 150 Men­schen sind ge­kom­men. Im­mer­hin zehn Euro ha­ben sie ge­zahlt, um ein­ge­las­sen zu wer­den und sich auf den „Stand des Wis­sens“ brin­gen zu las­sen, wie es in der An­kün­di­gung heißt. Gleich­zei­tig soll das Tref­fen der Auf­takt für ei­nen „Ar­beits­kreis Mo­bil­funk/​5G“ in der Stadt sein. Für eine neue Pro­test­zel­le also.

Gut­bier ist auf Wer­be­tour, rund 90 Mi­nu­ten dau­ert sein Vor­trag, manch­mal hält er ihn mehr­fach in der Wo­che. Er hat Bro­schü­ren über „Mo­bil­funk im Kin­der­zim­mer“ aus­ge­legt. Schon vor sei­ner Rede dis­ku­tie­ren die Leu­te lei­den­schaft­lich mit ihm, wie ge­fähr­lich die Strah­lung ist, wie sich der Auf­bau neu­er Funk­mas­ten ver­hin­dern lie­ße und wie man die Po­li­tik zwin­gen kön­ne, sich dem The­ma end­lich zu wid­men. „Die Ge­sund­heit muss an ers­ter Stel­le ste­hen“, sagt Gut­bier am Ende des Abends, „aber das tut sie in der Mo­bil­funk­po­li­tik nicht. Da geht es in ers­ter Li­nie um Pro­fit.“

Es sind Ver­samm­lun­gen wie die­se, die in Po­li­tik und In­dus­trie zu­neh­mend Sor­gen aus­lö­sen. Land­auf, land­ab schlie­ßen sich der­zeit pro­test­be­rei­te Bür­ger zu­sam­men. Rund 200 mo­bil­funk­kri­ti­sche In­itia­ti­ven fin­den sich al­lein auf der Web­site von Dia­gno­se Funk. Ge­gen5g.de lis­tet bun­des­weit mehr als 50 Grup­pen auf. In Lü­ne­burg mel­de­ten sich nach Gut­biers Vor­trag 20 Men­schen, die vor Ort den Wi­der­stand or­ga­ni­sie­ren wol­len.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 10/2019.