EXPERTENRAT

Ein bisschen mehr Uber wagen

Das deutsche Aktienrecht behindert Risikostrategien – und wird so zum Wettbewerbsnachteil.
Von Christoph H. Seibt

Face­book, Twit­ter oder Uber als deut­sche Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten? Schwie­rig. Die Si­li­con-Val­ley-Un­ter­neh­men tes­ten die Gren­zen des Er­laub­ten in ei­ner Art aus, wie es das deut­sche Ak­ti­en­recht Ge­schäfts­lei­tern nicht er­laubt. Face­book hat die Da­ten der Nut­zer eher frei­ge­big ver­mark­tet, Twit­ter die Bot­schaf­ten der Kun­den sehr groß­zü­gig kon­trol­liert; und Uber fuhr ein­fach vor, deut­sches Per­so­nen­be­för­de­rungs­recht hin oder her. Die Ver­än­de­rung der Rechts­la­ge in ih­rer tra­di­tio­nel­len Aus­le­gung wird zum Teil des Ge­schäfts­mo­dells.

In den USA ist das mög­lich. Ge­schäfts­lei­ter deut­scher Un­ter­neh­men sind je­doch streng an das Le­ga­li­täts­prin­zip ge­bun­den. Es un­ter­sagt nicht nur der Füh­rungs­spit­ze selbst Ge­set­zes­ver­let­zun­gen. Es schreibt auch eine Or­ga­ni­sa­ti­on vor, die Ver­stö­ße ge­gen in- und aus­län­di­sches Recht im ge­sam­ten Kon­zern ver­hin­dert. Ar­gu­men­tiert der Vor­stands­chef, ein Ge­set­zes­ver­stoß sei kauf­män­nisch nütz­lich, weil die er­war­te­ten Vor­tei­le die Sank­tio­nen, bei­spiels­wei­se Buß­gel­der oder Haf­tungs­an­sprü­che Drit­ter, we­sent­lich über­stie­gen, hilft ihm das ju­ris­tisch nicht. Ver­si­che­run­gen ge­wäh­ren dann auch kei­nen De­ckungs­schutz. Zu­dem wer­den in Deutsch­land die Maß­stä­be für sorg­fäl­ti­ges, pflicht­ge­mä­ßes Han­deln der Ge­schäfts­lei­ter ob­jek­tiv ver­stan­den, also un­ab­hän­gig von der spe­zi­fi­schen Kul­tur und Re­pu­ta­ti­on des Un­ter­neh­mens. „Fas­ter but ris­kier“, also „hö­he­res Tem­po, hö­he­res Ri­si­ko“, darf für Ka­pi­tal­markt­un­ter­neh­men dem­nach kei­ne Ma­nage­ment­ma­xi­me sein.


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