EDITORIAL

Alarm bei Audi

MAR­TIN NOÉ Chef­re­dak­teur

UN­SER BILD VON AUDI war vie­le Jah­re von ei­nem Wer­be­spot ge­prägt: Ein Auto fährt dank Quat­tro-An­trieb die schnee­be­deck­te Sprung­schan­ze so leicht hoch, als sei es die häus­li­che Ein­fahrt. Drei Jahr­zehn­te lang ging es für Audi tat­säch­lich nur auf­wärts; heu­te steht die VW-Toch­ter, ge­nau wie die Mut­ter, vor al­lem als Syn­onym für den Die­sel­be­trug. Als ers­ter Jour­na­list wies mein Kol­le­ge Mi­cha­el Frei­tag schon im No­vem­ber 2013 dar­auf hin, dass bei Audi Miss­ma­nage­ment gras­siert ("Rings on Fire"). Jetzt woll­ten wir wis­sen, ob die Pre­mium­mar­ke nach dem (viel zu spä­ten) Ab­gang des lang­jäh­ri­gen Vor­stands­vor­sit­zen­den Ru­pert Stad­ler wie­der nach vorn kommt, und tra­fen uns mit dem neu­en Boss Bram Schot so­wie dem eben­falls frisch in­stal­lier­ten Fi­nanz­chef Alex­an­der Seitz. Schnell war klar: Die bei­den Män­ner, Ver­käu­fer­typ der eine, knall­har­ter Rech­ner der an­de­re, eint per­sön­lich we­nig – au­ßer ih­rer kla­ren Sicht auf die Din­ge. In­tern spre­chen sie scho­nungs­los von ei­ner „Kri­se“ und ver­mit­teln Vor­stands­kol­le­gen in der Wolfs­bur­ger Zen­tra­le das Bild ei­nes Sa­nie­rungs­falls. Die Zeit des Schön­re­dens ist de­fi­ni­tiv vor­bei, der Plan des Duos wird vie­len Ma­na­gern und In­ge­nieu­ren Schmer­zen zu­fü­gen, wie Sie in der Ti­tel­ge­schich­te „Ab­sturz aus dem Au­to­him­mel“ ab hier le­sen.

HA­RI­BO, EBEN­FALLS VIE­LE JAH­RE EINE KULT­FIR­MA, zeigt ver­blüf­fen­de Par­al­le­len zu Audi. Das Image war lan­ge Zeit so gut wie der Wer­be­slo­gan ("Ha­ri­bo macht Kin­der froh ...“, Sie wis­sen schon), Um­satz und Ge­win­ne stie­gen ra­sant, und man hat­te mit Hans Rie­gel eine un­um­strit­te­ne Füh­rungs­fi­gur, so wie der VW-Kon­zern mit Fer­di­nand Piëch. Un­ter Hans Gui­do Rie­gel, Nef­fe des im Al­ter von 90 Jah­ren ver­stor­be­nen Hans, ge­hen die­se gu­ten Zei­ten zü­gig zu Ende. Schon vor ei­nem Jahr, als mein Kol­le­ge Mar­tin Meh­rin­ger über schwa­che Zah­len und Hire and Fire im Ma­nage­ment schrieb, hör­te er Ge­rüch­te über un­lau­te­re Me­tho­den bei Ha­ri­bo. Er mach­te sich auf die Su­che nach Kron­zeu­gen und traf in Dub­lin auf ei­nen frü­he­ren Im­por­teur. Die Ge­schich­te, die Eric Hahn, ein Ame­ri­ka­ner mit ko­rea­ni­schen Wur­zeln, er­zählt, hat es in sich. Und sie ist mit Ton­band­auf­nah­men, in­ter­nen E-Mails und ei­des­statt­li­chen Er­klä­run­gen gut do­ku­men­tiert. Am Ende steht die Fra­ge: Ent­glei­tet Ha­ri­bo-Chef Hans Gui­do Rie­gel der Kon­zern? Die Sto­ry, we­der süß noch kind­ge­recht, heißt „Böse Bär­chen“, zu le­sen ab hier.

SEIT JOE KA­E­SER vor fünf­ein­halb Jah­ren die Sie­mens-Spit­ze er­ober­te, ist kaum ein Stein auf dem an­de­ren oder ein Vor­stand im Kon­zern ge­blie­ben. Wenn er in ein, zwei Jah­ren als CEO auf­hört, wird er den Kon­zern so stark ver­än­dert ha­ben wie kein Vor­stands­chef vor ihm. Kein Jour­na­list und kei­ne Jour­na­lis­tin hat das Wir­ken von „Kö­nig Joe“, wie wir ihn bald nann­ten, so eng be­glei­tet wie mm-Re­dak­teu­rin An­ge­la Mai­er, ge­le­gent­lich auch zum Ärger des Meis­ters. Nach ei­nem zwei­stün­di­gen Ge­spräch mit ei­nem ent­spann­ten Joe Ka­e­ser kurz vor Weih­nach­ten in sei­nem Mün­che­ner Büro war uns klar, was Sie­mens in der nächs­ten Zeit er­war­tet. Sein Nach­fol­ger wird – spä­tes­tens mit­tel­fris­tig – ein deut­lich klei­ne­res, we­ni­ger kom­ple­xes Sie­mens füh­ren. Und Ka­e­ser dürf­ten wir dann bald an der Spit­ze des Auf­sichts­rats se­hen – „Der letz­te Kai­ser“, sie­he hier.

Sie lesen die Vorschau

Sie haben diese Ausgabe bereits gekauft oder ein digitales Abo? Dann melden Sie sich mit Ihrer manager-ID an, um den vollständigen Artikel zu lesen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 2/2019.