EXPERTENRAT

80 ist das neue 100

Die Zeit harmonischer Hauptversammlungen ist passé. Vorstände und Räte müssen sich umstellen.    
Von Christoph H. Seibt

Vor we­ni­gen Jah­ren noch wa­ren Haupt­ver­samm­lun­gen be­re­chen­bar: Klein­ak­tio­nä­re mit ge­sell­schafts­po­li­ti­schen Spe­zial­in­ter­es­sen hiel­ten lan­ge Re­den, so­ge­nann­te kri­ti­sche Ak­tio­nä­re be­müh­ten sich, for­ma­le Feh­ler für ver­gleichs­fä­hi­ge An­fech­tungs­kla­gen zu pro­vo­zie­ren; aber am Ende er­hiel­ten die Be­schluss­emp­feh­lun­gen von Vor­stand und Auf­sichts­rat na­he­zu 100 Pro­zent Zu­stim­mung. Die­se Zeit ist vor­bei.

Be­son­ders stark zeigt sich das bei der Vor­stands­ver­gü­tung und der Ent­las­tung der Or­gan­mit­glie­der. Nur 9 der 26 Ver­gü­tungs­vor­schlä­ge der Dax-30-Un­ter­neh­men er­reich­ten in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren eine Zu­stim­mungs­quo­te von 90 Pro­zent oder mehr. 2016 wur­de der Be­schluss­vor­schlag der Deut­schen Bank so­gar ab­ge­lehnt, 2017 traf es Merck und Mu­nich Re. Der lang­jäh­ri­ge Nor­ma-Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­de Ste­fan Wolf wur­de 2018 nicht wie­der­ge­wählt, ohne dass es ei­nen Ge­gen­kan­di­da­ten ge­ge­ben hät­te. Bei Sta­da Arz­nei­mit­tel fiel Auf­sichts­rats­chef Mar­tin Abend 2016 nach ei­ner Ak­ti­vis­ten­kam­pa­gne durch. Und die Auf­sichts­rä­te von Deut­scher Bank, Deut­scher Bör­se und Fre­se­ni­us ka­men – frü­her un­denk­bar – 2018 nicht ein­mal auf 90 Pro­zent Ent­las­tungs­quo­te.


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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 3/2019.