KOLUMNE

REIFUNG DURCH REIBUNG

Unternehmerfamilien schotten sich ab, statt sich zu öffnen. Das führt langfristig zu Vermögensschäden.
Von Klaus Schweinsberg

Unter­neh­mer und de­ren Fa­mi­li­en tei­len die Mensch­heit grund­sätz­lich in zwei Ka­te­go­ri­en ein: ih­res­glei­chen und alle an­de­ren. Das zeigt sich dar­in, dass der Un­ter­neh­mer­nach­wuchs vor­zugs­wei­se Hoch­schu­len und Se­mi­na­re fre­quen­tiert, in de­nen er un­ter sich bleibt. Man en­ga­giert sich gern in Zir­keln wie Die Jun­gen Un­ter­neh­mer oder Fa­mi­ly Busi­ness Net­work (FBN), wo sich die na­tio­na­le oder gar glo­ba­le Un­ter­neh­me­reli­te wech­sel­sei­tig auf­zu­schlau­en ver­sucht, vor al­lem aber selbst fei­ert. Und na­tür­lich wird auch bei der Aus­wahl von Freun­den und Le­bens­part­nern pein­lich dar­auf ge­ach­tet, dass das Vi­sa­vis aus dem rich­ti­gen Stall kommt. Ohne Fra­ge, ge­sell­schaft­lich ist es nicht nur le­gi­tim, son­dern ge­ra­de­zu nach­voll­zieh­bar, dass be­stimm­te Grup­pen un­ter sich blei­ben wol­len – ob das nun Ad­li­ge, Hei­mat­ver­trie­be­ne, Ro­cker oder Un­ter­neh­mer sind. Öko­no­misch ist der Stan­des­dün­kel für Un­ter­neh­mer­fa­mi­li­en in­des ein ge­fähr­li­ches Spiel. Aus zwei Grün­den: Er ver­engt das Spiel­feld, und er nährt eine Miss­trau­ens­kul­tur in den Un­ter­neh­mer­fa­mi­li­en.


DER VER­LE­GER HU­BERT BUR­DA be­merk­te ein­mal in An­spie­lung auf Tho­mas Manns (Un­ter­neh­mer-) Fa­mi­li­en­sa­ga „Die Bud­den­brooks": „Die ers­te Ge­ne­ra­ti­on baut auf, die zwei­te baut aus, die drit­te stu­diert Kunst­ge­schich­te.“ Und in der Tat schwin­det in den al­ler­meis­ten Fa­mi­li­en die un­ter­neh­me­ri­sche Po­tenz in­ner­halb we­ni­ger Jahr­zehn­te. Das hat zu­nächst da­mit zu tun, dass die wach­sen­de ma­te­ri­el­le Un­be­schwert­heit zu Mü­ßig­gang führt. Ein wei­te­rer – und wie ich fin­de wich­ti­ge­rer – Grund ist aber eine stark rück­läu­fi­ge Neu­gier auf die Welt da drau­ßen. Zu Mü­ßig­gang ge­sellt sich Selbst­ge­nüg­sam­keit. An Grün­der­ge­stal­ten wie Ralph Dom­mer­muth, Mar­tin Her­renk­necht oder Tors­ten To­el­ler kann man se­hen, was Un­ter­neh­mer er­folg­reich macht: Ehr­geiz, Neu­gier und Re­spekt­lo­sig­keit ge­gen­über Kon­ven­tio­nen. Wer sei­nen Nach­wuchs im ge­schlos­se­nen Zir­kel des Un­ter­neh­mera­dels groß wer­den lässt, trai­niert ihm aber jus­ta­ment die­se Ei­gen­schaf­ten ab. Wer kei­ne Sa­lon­lö­wen züch­ten will, muss sei­ne Kin­der in die freie Wild­bahn schi­cken – und mit den Kin­dern der „Ti­ger-Ma­mas“ spie­len las­sen.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 3/2019.