WIRTSCHAFTSKULTUR

Liebt euch!

Ein US-Medienguru kritisiert den Plattformkapitalismus.

PRE­DI­GER Me­di­en­theo­re­ti­ker Rush­koff hält die gro­ßen In­ter­net­kon­zer­ne für eine Mensch­heits­gei­ßel und sucht Ab­hil­fe

Viel­leicht gab es nie ei­nen glü­hen­de­ren Lieb­ha­ber des In­ter­nets als Dou­glas Rush­koff. Seit den 90er Jah­ren be­glei­te­te der Au­tor, Mu­si­ker und In­ha­ber ei­nes Lehr­stuhls für Me­di­en­theo­rie am Queens Col­le­ge in New York den Auf­stieg der di­gi­ta­len Tech­no­lo­gi­en in un­zäh­li­gen Re­den und Schrif­ten, an­fangs vol­ler Eu­pho­rie über die un­be­grenz­ten Mög­lich­kei­ten des Net­zes, heu­te des­il­lu­sio­niert über des­sen Kom­mer­zia­li­sie­rung.

Sei­ne ent­täusch­ten Ge­füh­le in­ves­tiert Rush­koff nun in ein neu­es Uto­pia: Er will die Mas­sen – das „Team Hu­man“ – im Wi­der­stand ge­gen die „an­tih­u­ma­ne Agen­da“ der Ge­gen­wart ver­ei­nen. Das im Stil ei­nes Ma­ni­fests in 100 kur­ze Ka­pi­tel ein­ge­teil­te Buch über­zeugt in der Ana­ly­se und schwä­chelt auf der Lö­sungs­sei­te. Rush­koff be­klagt die Über­macht der Al­go­rith­men, den Über­wa­chungs­ka­pi­ta­lis­mus, Fil­ter­bla­sen und Da­ten­klau. Er un­ter­schlägt nicht, dass der Kon­su­ment wil­lig mit­spielt und sich denk­faul an spie­le­ri­schen Funk­tio­nen von So­ci­al-Me­dia-Apps er­freut, an­statt sie für die de­mo­kra­ti­sche Mei­nungs­bil­dung zu nut­zen. Doch ge­gen die Mi­schung aus Agi­ta­ti­on und Ago­nie wirft der Au­tor dann mal so ganz all­ge­mein eine „Re­nais­sance der Wer­te“ in den Ring, er wünscht sich mehr „Lie­be, Ver­bin­dung, Ge­rech­tig­keit und ge­teil­tes Ei­gen­tum“, ech­tes Mit­ein­an­der in lo­ka­len Netz­wer­ken und eine kol­la­bo­ra­ti­ve Wirt­schaft mit­tels Crowd­fun­ding.

Aus sei­nem Blick­win­kel ist das kon­se­quent, denn die po­li­ti­sche Sze­ne zählt er zu den Hand­lan­gern der Platt­form­kon­zer­ne. An­ge­sichts sol­cher Nai­vi­tä­ten er­strah­len die Re­gu­lie­rungs­be­mü­hun­gen der EU dann doch gleich in viel hel­le­rem Licht.1

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 3/2019.