UNTERNEHMEN

STURZGEFAHR

BERATER Die Affäre um fragwürdige öffentliche Aufträge bringt der Branche eine unangenehme Diskussion: Ist sie ihr Geld wert?

Wie ris­kant das Ge­schäft mit der öf­fent­li­chen Hand ist, weiß kei­ner bes­ser als die Un­ter­neh­mens­be­ra­tung Ro­land Ber­ger. Das Dra­ma da­tiert aus dem Jahr 2004. Sei­ner­zeit traf der Grün­der Ro­land Ber­ger (in­zwi­schen 81) in ei­ner Talk­show auf den da­ma­li­gen nie­der­säch­si­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Chris­ti­an Wul­ff (59). Vor Mil­lio­nen­pu­bli­kum strit­ten die bei­den der­art hef­tig über die Qua­li­tät ei­nes Ber­ger-Pro­jekts, dass selbst Kes­sel­fli­cker an­er­ken­nend nick­ten. Wul­ff kam aus der Num­mer un­be­scha­det her­aus, die Fir­ma Ro­land Ber­ger nicht. 25 bis 30 Mil­lio­nen Um­satz gin­gen per­du. Nicht nur bei öf­fent­li­chen Kun­den. Weil sich die Me­di­en wo­chen­lang an der TV-Pos­se ab­ar­bei­te­ten, mie­den auch die Un­ter­neh­men Ber­ger. Ein Jahr habe man ge­braucht, bis alle Scher­ben zu­sam­men­ge­kehrt wa­ren, er­in­nert sich ei­ner der da­mals Be­tei­lig­ten.

Es könn­te sich im Nach­hin­ein als Klacks her­aus­stel­len. 15 Jah­re spä­ter ist die gan­ze Zunft in Alarm­stim­mung. Der­zeit checkt ein Un­ter­su­chungs­aus­schuss frag­wür­di­ge Auf­trä­ge im Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um, prüft De­lik­te wie Vet­tern­wirt­schaft, Ab­rech­nungs­be­trug und frei­hän­di­ge Ver­ga­ben ohne Aus­schrei­bun­gen – das vol­le Miss­brauchs­pro­gramm. Min­des­tens bis zur Som­mer­pau­se Ende Au­gust wol­len sich die Par­la­men­ta­ri­er Zeit neh­men.

Die Fahn­dung fin­det auf der­art of­fe­ner Büh­ne statt, dass die Con­sul­tants Schlimms­tes be­fürch­ten: das Ende ih­rer wun­der­ba­ren Er­folgs­ge­schich­te im Ge­schäft mit dem „Pu­blic Sec­tor“. „Je­der Aus­schuss­tag ist ein schlech­ter Tag für Be­ra­ter“, sagt ein Staats­rat­ge­ber, der schon lan­ge im Ge­schäft ist und Mil­lio­nen zu ver­lie­ren hat. Er weiß: Wenn mi­kro­fon­hung­ri­ge und be­ra­tungs­skep­ti­sche Ab­ge­ord­ne­te re­gel­mä­ßig über den Re­cher­che­stand be­rich­ten, wird sei­ne Zunft vor­ge­führt. Schon jetzt sind die Fol­gen spür­bar: Die öf­fent­li­che Hand hält sich mit Auf­trä­gen zu­rück. „Pro­jek­te ver­zö­gern sich oder wer­den ganz aus­ge­bremst“, glaubt ein Ber­ger-Mann.

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