UNTERNEHMEN

POSTER-GIRL

FUNKE Bei ihrem Start vor gut einem Jahr präsentierte sich Julia Becker als frisch-freche Verlegerin. Tatsächlich ist sie als Leitfigur des Essener Medienkonzerns überfordert.

PA­PIER­RIE­SIN Ju­lia Be­cker ge­bie­tet über ein Groß­reich an Re­gio­nal­zei­tun­gen und Zeit­schrif­ten

Es war eine net­te Ges­te mit ei­nem Stich ins Ma­tri­ar­cha­li­sche. Mit­te Ja­nu­ar be­grüß­te die Ver­le­ge­rin Ju­lia Be­cker (46) etwa 600 ih­rer An­ge­stell­ten per­sön­lich, als die­se erst­mals das neue Ver­lags­ge­bäu­de der Fun­ke Me­di­en­grup­pe in Es­sen be­tra­ten. „Ganz auf­ge­regt“ sei sie, sag­te die En­ke­lin von Kon­zern-Co-Grün­der Ja­kob Fun­ke (1901–1975) und schwärm­te von ei­nem „Neu­an­fang für un­ser ge­sam­tes Un­ter­neh­men“. Für die treu­en Me­di­en­tä­ti­gen ga­b's klei­ne Schul­tü­ten in Fun­ke-Rot mit Nasch­zeug. Auf­druck: „Ner­ven­nah­rung für den ers­ten Ar­beits­tag“.

Eine Dar­rei­chung in Kü­beln wäre sinn­vol­ler ge­we­sen: Kei­ne drei Wo­chen spä­ter ließ Be­cker ein Spar­pro­gramm ver­kün­den. Denn die Ge­schäf­te des Zei­tungs- und Zeit­schrif­ten­rie­sen lau­fen mies. Ob Re­dak­tio­nen, Ver­trieb­ler oder Dru­cker, alle kom­men dran. Al­lein bei den Print­ti­teln in Nord­rhein-West­fa­len, dar­un­ter die „West­deut­sche All­ge­mei­ne Zei­tung“ ("WAZ"), der Ur­sprung von Be­ckers Fa­mi­li­en­ver­mö­gen, muss je­der zehn­te Re­dak­teur ge­hen. Ei­nen zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag soll das Pro­gramm „Fun­ke 2022“ ein­spa­ren.

So wirk­te Be­ckers Be­grü­ßungs­ges­te dann doch, vor­sich­tig for­mu­liert, miss­ver­ständ­lich. Be­dau­er­li­cher­wei­se fügt sich der Auf­tritt aber naht­los ein in ihr ers­tes Amts­jahr als eine der etat­mä­ßi­gen Me­di­en­ge­wal­ti­gen des Lan­des. An­ge­tre­ten war sie mit gro­ßem Aplomb, als wol­le sie den gro­ßen al­ten Ver­lags­er­bin­nen nach­fol­gen: Frie­de Sprin­ger (76; „Bild“, „Welt") und Liz Mohn (77; „Stern“, „Bri­git­te"). Nun muss sie er­ken­nen, dass Fun­ke kei­ne Gran­dez­za be­nö­tigt, son­dern Sa­nie­re­rin­nen­qua­li­tä­ten.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 4/2019.