FÜHRUNGSZEUGNIS

Gesucht: schräge Vögel

Wir brauchen mehr kulturelle Unruhestifter, um aus der Effizienzmaschinerie auszubrechen.
Von Thomas Sattelberger

I n der Ära di­gi­ta­ler Trans­for­ma­ti­on lässt sich äs­the­ti­sche, kul­tu­rel­le und so­zia­le In­no­va­ti­on nicht von tech­no­lo­gi­scher In­no­va­ti­on tren­nen: ein zen­tra­les Ver­mächt­nis von Karl La­ger­feld. Mode dreht sich nicht nur um Klei­dung, son­dern um alle mög­li­chen Ar­ten von Wan­del, hat er ge­sagt. Ma­le­rei, Li­te­ra­tur, Thea­ter und avant­gar­dis­ti­sche Mode sind mehr als nur Büh­nen, Lauf­ste­ge und Mu­se­en, son­dern sie las­sen uns Wech­sel, Brü­che oder Trends er­ah­nen. Sci­ence-Fic­tion, Hau­te Cou­ture oder Hoch­hu­ths Dra­ma zum Schwei­gen Pius XII. im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus kon­fron­tie­ren uns je­weils zu ih­rer Zeit mit wei­chen Si­gna­len des Kom­men­den, har­ten Tö­nen der Dis­rup­ti­on, sub­ti­len Zei­chen des so­zia­len Um­bruchs, uto­pisch-krea­ti­ven Zu­kunfts­ent­wür­fen.


NEU­ES BENÖTIGT MEIST EINE LEIT­IDEE, die sich aus der in­ne­ren Über­zeu­gung und dem sicht­ba­ren Idea­lis­mus ih­rer Schöp­fer speist. Face­books She­ryl Sand­berg mit ih­rem di­gi­ta­len Power-Fe­mi­nis­mus oder Ali­ba­bas Jack Ma mit sei­ner Ver­rückt­heit sind wie Ste­ve Jobs oder Karl La­ger­feld glo­ba­le Leit­fi­gu­ren, mensch­li­che Mar­ken. Sie ha­ben mil­li­ar­den­schwe­re Im­pe­ri­en der Macht ge­prägt, doch weil sie weit über Ding­li­ches hin­aus­ge­hen, ver­bin­det man mit ih­nen den Es­prit der Me­tro­po­le Pa­ris, den Spi­rit der Bay Area oder den Aus­bruch aus der chi­ne­si­schen No­men­kla­tur.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 4/2019.