KOLUMNE

DIE SEIFENSTRASSE

Die Politik findet nur mehr schwer Zugang zu China. Der Mittelstand muss sich selbst kümmern.

Von Klaus Schweinsberg

China han­delt. Eu­ro­pa strei­tet. Deutsch­land zau­dert. Ide­en­los, rat­los und ta­ten­los schaut un­se­re Po­li­tik der­zeit in den Fer­nen Os­ten. Das Er­geb­nis: Deutsch­land ver­liert ge­ra­de den Vor­sprung, den es sich in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten in Chi­na er­ar­bei­tet hat. Der deut­sche Au­ßen­mi­nis­ter Hei­ko Maas wird von chi­ne­si­scher Sei­te nicht ernst ge­nom­men. Es mag Staa­ten ge­ben, wo es als „cool“ an­kommt, wenn ein Au­ßen­mi­nis­ter bei ei­nem of­fi­zi­el­len Be­such meint, Bas­ket­ball spie­len ge­hen zu müs­sen. Bei den hart ar­bei­ten­den Chi­ne­sen und de­ren Füh­rung macht man sich da­mit – bes­ten­falls – lä­cher­lich.

Und der deut­sche Wirt­schafts­mi­nis­ter hat, wie ich höre, der­zeit Mühe, in Pe­king hoch­ran­gi­ge Ter­mi­ne zu be­kom­men. Es mag von Pe­ter Alt­mai­er als „selbst­be­wuss­tes“ State­ment in­ten­diert ge­we­sen sein, im Rah­men sei­ner Rei­se zur letz­ten Asi­en-Pa­zi­fik-Kon­fe­renz lie­ber den Ja­pa­nern und nicht den Chi­ne­sen sei­ne Auf­war­tung zu ma­chen. Klug und für die deut­sche Wirt­schaft ziel­füh­rend war das nicht. Und auch der jüngst in­thro­ni­sier­te neue Vor­sit­zen­de des Asi­en-Pa­zi­fik-Aus­schus­ses des BDI, Sie­mens-Chef Jo­sef Ka­e­ser, steht we­der bei den Chi­ne­sen noch bei den meis­ten Mit­tel­ständ­lern im Ver­dacht, an et­was an­de­res zu den­ken als an sich selbst, wenn sein Blick gen Chi­na schweift.

Wer (noch) ho­hes An­se­hen in Chi­na ge­nießt, ist die Bun­des­kanz­le­rin. Aber na­tür­lich weiß man in Pe­king, dass ihr po­li­ti­scher Spät­herbst an­ge­bro­chen ist. Kurz­um: Die Un­ter­neh­mer in die­sem Lan­de dür­fen nicht hof­fen, dass die Po­li­tik in Chi­na in nächs­ter Zeit ein Tür­öff­ner ist. Eher im Ge­gen­teil. Der plan­lo­se Um­gang der Eu­ro­pä­er mit der Sei­den­stra­ße wird zur po­li­ti­schen Sei­fen­stra­ße. Vom Ka­bi­nett Mer­kel kön­nen die Un­ter­neh­mer ak­tu­ell nichts er­war­ten. Sie müs­sen selbst ihre „Chi­na-Po­li­tik“ de­fi­nie­ren und exe­ku­tie­ren.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 5/2019.