TRENDS

DAS COMEBACK DER SCHULDEN

STAATSFINANZEN Die Kredite werden immer billiger, das Land braucht Investitionen. Der deutsche Kult um Spardiktat und Schuldenbremse hat ausgedient.

IN­VES­TIE­REN STATT SPA­REN Oli­vier Blan­chard, ei­ner der ein­fluss­reichs­ten Öko­no­men der Welt, stieß An­fang 2019 die De­bat­te an

Olaf Scholz (60) macht neu­er­dings auf Staats­mann. Als der SPD-Fi­nanz­mi­nis­ter An­fang Ja­nu­ar sei­nen Kanz­ler­ehr­geiz an­mel­de­te, warn­te er die Deut­schen auch gleich, dass bei der Kon­junk­tur „die fet­ten Jah­re vor­bei“ sei­en. Den Etat­plan 2020 ver­kün­de­te er jüngst mit ei­ner kla­ren An­sa­ge an die Mi­nis­ter­kol­le­gen: „Es muss jetzt über­all Dis­zi­plin herr­schen.“ Deutsch­land habe sich ver­pflich­tet, kei­ne neu­en Schul­den zu ma­chen – „dar­an hal­ten wir uns“.

Im ei­ge­nen Haus darf je­doch frei­er ge­dacht wer­den. We­ni­ge Tage nach der Vor­stel­lung des Haus­halts tra­fen sich Spit­zen­be­am­te in der Grund­satz­ab­tei­lung des Mi­nis­te­ri­ums mit ei­ner klei­nen Grup­pe füh­ren­der deut­scher Öko­no­men. Wolf­gang Schmidt (48) war da­bei, der zu­stän­di­ge Staats­se­kre­tär und Scholz-Ver­trau­te aus Ham­bur­ger Zei­ten. Und Ja­kob von Weiz­sä­cker (49), der als neu­er Chef­volks­wirt seit Ja­nu­ar die Grund­satz­ab­tei­lung lei­tet und zu­vor SPD-Eu­ro­pa-Par­la­men­ta­ri­er war. The­ma des Ge­sprächs: die Män­gel der Schul­den­brem­se.

Seit zehn Jah­ren setzt die Ver­fas­sung den deut­schen Staats­de­fi­zi­ten enge Gren­zen. Die Schul­den­brem­se wur­de da­mals, auf dem Gip­fel der Welt­fi­nanz­kri­se, als Durch­bruch für die Sta­bi­li­tät ge­fei­ert; in­zwi­schen of­fen­bart sie gro­ße Ri­si­ken und Ne­ben­wir­kun­gen. Die Kri­tik kommt nicht mehr nur von den üb­li­chen Meu­te­rern, de­nen der Staat schon im­mer zu knau­se­rig war. „Die Schul­den­brem­se ver­hin­dert In­ves­ti­tio­nen, sie ent­behrt ei­ner öko­no­mi­schen Grund­la­ge“, sagt jetzt auch Mi­cha­el Hüt­her (56), Chef des In­sti­tuts der deut­schen Wirt­schaft (IW).

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 5/2019.