FÜHRUNGSZEUGNIS

Die Mauer muss weg

In Deutschlands Führungseliten spielen Ostdeutsche kaum eine Rolle. Dabei gäbe es gerade jetzt gute Gründe, auf das Talentreservoir zurückzugreifen.
Von Thomas Sattelberger

Schon ver­rückt, im Jahr 30 nach dem Mau­er­fall sind nur 4 der ak­tu­ell 195 Dax-Vor­stän­de in Ost­deutsch­land ge­bo­ren, ge­ra­de mal 2 Pro­zent. Ähn­li­ches gilt auch für die un­te­ren Äste des Kar­rie­rebaums. Eine Stu­die der Uni­ver­si­tät Leip­zig kam 2016 zu dem Er­geb­nis, dass nur ein Fünf­tel al­ler Füh­rungs­kräf­te in den Bun­des­län­dern, die wir viel­fach im­mer noch als „neu“ ti­tu­lie­ren, aus dem Os­ten stam­men. Selbst in den Chef­eta­gen der hun­dert größ­ten ost­deut­schen Un­ter­neh­men ar­bei­ten nur ein Drit­tel Ost­deut­sche. Und erst in die­sem Jahr hat das Cen­trum für Hoch­schul­ent­wick­lung fest­ge­stellt, dass kei­ne ein­zi­ge deut­sche Uni­ver­si­tät von je­man­dem mit ost­deut­schen Wur­zeln ge­lei­tet wird.

Wirt­schaft, Wis­sen­schaft und Po­li­tik küm­mern sich seit Jahr und Tag um Di­ver­si­tät oder be­haup­ten das we­nigs­tens. Es geht um Frau­en, Älte­re, um LGB­TI oder Men­schen mit Be­ein­träch­ti­gun­gen, um so­zia­le Durch­läs­sig­keit. Al­les zu Recht. Aber die feh­len­de Re­prä­sen­ta­ti­on von Men­schen mit ost­deut­schen Bio­gra­fi­en ha­ben wir nicht auf dem Schirm.

ES GIBT PLAU­SI­BLE ERKLÄRUNGS­VER­SU­CHE für den Sys­tem­feh­ler: Mi­gra­ti­ons­be­we­gun­gen in bei­de Rich­tun­gen nach 1990. Feh­len­de Kon­zern­zen­tra­len der Dax 30 im Os­ten. Ab­ge­wi­ckel­te volks­ei­ge­ne Be­trie­be, die nur zu 5 Pro­zent an Ost­deut­sche gin­gen. Und für ost­deut­sche Ma­na­ger gab es durch den plötz­li­chen Zu­sam­men­bruch kaum Übungs­fel­der, auch weil die Treu­hand vie­le Un­ter­neh­men platt­ge­macht hat.

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