HALL OF FAME

DIE LEISE MACHT

BERTHOLD HUBER Der langjährige IG-Metall-Chef öffnete die Gewerkschaft. Er managte die Siemens-Korruptionsaffäre und den Machtkampf bei VW. In der Finanzkrise bewies er staatsmännisches Geschick.

MEHR ALS EIN AR­BEI­TERFÜHRER Bert­hold Hu­ber hat Werk­zeug­ma­cher ge­lernt und war von 2007 bis 2013 Vor­sit­zen­der der IG Me­tall. Sei­ne Be­deu­tung reicht dar­über hin­aus.

Als Bert­hold Hu­ber das klei­ne Apart­ment im Leip­zi­ger Ho­tel „As­to­ria“ ne­ben dem Bahn­hof be­zieht, fühlt er sich ein biss­chen ver­lo­ren. Aber das hat er sich selbst ein­ge­brockt. Es läuft das Jahr 1990 und sei­ne IG Me­tall hat­te ei­gent­lich vor­ge­habt, die Mit­glie­der der DDR-Schwes­ter­or­ga­ni­sa­ti­on ein­fach so zu über­neh­men – ein Hand­streich, der in den Wen­de­zei­ten üb­lich war. Der jun­ge Funk­tio­när Hu­ber sah das an­ders. Eine freie Ge­werk­schaft brau­che ei­nen frei­en Ein­tritt, ließ er die Füh­rung wis­sen. Na, dann geh halt nach drü­ben und grün­de Bü­ros, schlug die ihm vor.

Das tut er prompt. So er­lernt Hu­ber in der re­al­ka­pi­ta­lis­ti­schen Wie­der­ver­ei­ni­gung das Be­rufs­bild des Prag­ma­ti­kers, der um be­trieb­li­che In­ter­es­sen und Ar­beits­plät­ze glei­cher­ma­ßen ringt. Die­se Zeit sei sei­ne „letz­te Mensch­wer­dung“ ge­we­sen, sagt er. „Ich habe mir da­mals ge­schwo­ren: Du wirst dich nie op­por­tu­nis­tisch ver­hal­ten.“

Heu­te ist Bert­hold Hu­ber (69) der Be­weis da­für, dass Non­kon­for­mis­ten mehr leis­ten kön­nen als die Mas­se. Als Vor­sit­zen­der (von 2007 bis 2013) hat er die IG Me­tall mo­der­ni­siert und po­li­tisch sa­lon­fä­hig ge­macht. Als Auf­sichts­rat über­nahm er in der Sie­mens-Kor­rup­ti­ons­af­fä­re eben­so Ver­ant­wor­tung wie in schwe­ren Zei­ten bei VW. Staats­män­ni­sches For­mat be­wies er in der Fi­nanz­kri­se, die ohne ihn in Deutsch­land län­ger und schwe­rer ge­tobt hät­te.

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